Jan Eggers

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Note to self: Morgens immer noch mal die Schwerkraft checken

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Autsch. Ich finde die verdammte Einstellung nicht – und das, während mir acht Kollegen neugierig auf die virtuellen Finger schauen. Gerade habe ich ihnen die Grundzüge des Community-Managements bei Facebook erklärt. Und die tolle Möglichkeit, einen Troll-Kommentar nicht zu löschen, sondern ihn nur zu verbergen – der Online-Störenfried und seine Freund können sich weiter lesen, aber die problematische Äußerung ist von der Seite verschwunden. Prima Sache.

Warum klappt denn das jetzt schon wieder nicht?

Nun passiert mir das peinlicherweise nicht zum ersten Mal. Erst ein paar Wochen vorher, ein Workshop mit besorgten Social-Media-Neulingen: Was ist, wenn der Chef bei Facebook mit mir befreundet sein will – kann ich das ablehnen, wenn ich nicht will, dass er meine privaten Fotos sieht? Kein Problem, erkläre ich gönnerhaft, nehmt die Freundschaftsanfrage an und steckt den Chef dann in die Liste “Eingeschränkt” – wer da drin ist, sieht nur, was ohnehin öffentlich ist – was also das ganze restliche Internetz auch zu sehen bekommt. Jetzt müsste ich nur noch finden, wie man jemanden nachträglich in eine Liste steckt… wo ist denn die verdammte Einstellung… (Lösung hier). Wie peinlich – und als ich jetzt den Verbergen-Link nicht finde, kommt die Erinnerung wieder hoch. Wenigstens kann ich das “Verbergen” an einem Wall-Post demonstrieren, und die Teilnehmer sind’s zufrieden.

Dali Atomicus: Foto für "Life" 1941 (via Wikimedia Commons)Schon die Surrealisten wussten: Verlass dich nicht auf die Schwerkraft oder andere Gewissheiten.

Natürlich: Ein Problem mangelnder Vorbereitung. Dieses Mal hätte ich morgens vor dem Seminar einfach halt noch einmal probieren müssen, ob die Welt noch die alte ist – und das ist sie nicht. Erst nach dem Seminar erfahre ich: Es ist wieder einmal einer dieser Tage. Facebook hat die “Verbergen”-Funktion für Kommentare einfach abgeschafft – man kann sie nur löschen, was der Autor des kritischen Kommentars zwangsläufig mitbekommt, was die Trolle sicher freuen wird. (Wenigstens kann man eine Begründung fürs Löschen mitschicken.) Und während die PR-Drohnen fröhlich von ihrem ach so wunderbaren App-Center säuseln – zu der Änderung am Kommentar-Management, die für Seitenbetreiber deutlich gravierender ist, schweigt zumindest der offizielle deutsche “Neuigkeiten zu Facebook”-Kanal stille. Vielleicht wissen sie nichts davon. Vielleicht war die Änderung lang angekündigt. Vielleicht ist es ein Bug. Vielleicht ist es ein Test. Vielleicht gab es die “Verbergen”-Funktion sowieso nie offiziell. (Update, 16.8.: Facebook hat sie anscheinend wiederbelebt.)

Wieder einmal bestätigt sich: Wer sich in Facebook bewegt, muss damit rechnen, dass sich der Boden unter seinen Füßen unerwartet ändert. Also, Leitsatz für an den Spiegel für alle, die gelegentlich Facebook erklären: Lieber morgens noch einmal kurz durchprobieren, ob alle Funktionen noch da sind, wo sie beim letzten Mal waren. Bonus: Dann findet man sie auch gleich, wenn man danach gefragt wird.

Profi-Tipps zur Kommentarmoderation

Nun ist die Facebook-Welt, wie sie ist, und die Möglichkeit, einem wegmoderierten Kommentar eine Erklärung hinterherzuschicken, ist eine wirkliche Bereicherung. Ein paar kleine Tricks können helfen, das verschwundene Verbergen zumindest ein wenig zu ersetzen:

  • Die Blockierliste nutzen. Wenn jemand wirklich trollt und das immer wieder mit denselben Reizwörtern, kann man diese Reizwörter in die Sperrwort-Liste nehmen – Kommentare und Beiträge, die diese Reizwörter enthalten, werden erst einmal als “Spam” markiert, also praktisch verborgen. Nachteil: Das trifft die Gerechten mit den Ungerechten – und nicht jeder Troll ist so nett, immer dasselbe Reizwort zu verwenden.
  • Ein Tipp aus den Kommentaren des oben verlinkten allfacebook-Artikels: Wer einmal verborgene Kommentare und Beiträge sucht, kann das über die iPad-App für Seitenadmins tun – Edit, 3.8.2012: genaueres dazu hier.

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