Was bleibt von der „Rundshow“, Richard Gutjahr?

Twittern zum Tatort – das heißt jetzt Social TV: Zuschauer tauschen sich während einer Sendung übers Netz untereinander aus, und im Idealfall beteiligt sich das Medium selbst nach Kräften. Aktuell tun das einige sehr geschätzte Kollegen bei der Sportschau rund um den ARD-Livestream zur Fußball-EM (und dann twittern sie noch wie wild unter @sportschau_em12). Social TV ist zum Trendwort geworden, zusammen mit dem Begriff vom „second screen“ (das Smartphone oder Tablet, über das man eben beim Fernsehen Twitter oder Ähnliches nutzt).

Nun darf man bei „Social TV“ misstrauisch sein, wie bei allen Buzzwords: Richard Gutjahr spöttelt, dass er glaubt, diese Worte werden nur erfunden, um Konferenzen zu verkaufen, verbirgt sich dahinter oft eine mit viel heißer Luft aufgeblasene schlichte Idee. Andererseits: Richard Gutjahr hat gerade vier Wochen lang vorgeführt, was man mit Social TV so anstellen kann. Die „Rundshow“ im Bayerischen Rundfunk war ein großes Labor für Nutzereinbindung in modernen Massenmedien; das Labor ist wieder geschlossen – und als ich gesehen habe, dass Richard seine Erfahrungen auf einer Social-TV-Veranstaltung in München präsentieren wollte, habe ich ein Ticket gebucht. Und die Gelegenheit ergriffen, Richard selbst erzählen zu lassen, was denn nun bleibt von der Rundshow.

Es bleiben: eine Menge Erfahrungen. „Wir hatten die steilste Lernkurve im deutschen Fernsehen“, so Richard in seinem Vortrag; zur Interaktion mit den Zuschauern gehörte auch, dass einige Kritik kam. Eine Menge davon hat die Redaktion mithilfe einer sehr experimentierfreudigen BR-Spitze noch während der vier Wochen umgesetzt. Erstaunt hat die Redaktion, wie stark die Interaktion über Smartphones lief: „Die App ging ab wie Sau,“ so Richard Gutjahr – fast jeder zweite Kommentar darüber.

Update um 17 Uhr: Zwei schöne Beobachtungen hat Richard Gutjahr noch geäußert in der letzten Panel-Diskussion: Zum einen, dass (GFK)-Quote und das selbst gestrickte Social-Buzz-Maß („G-Punkte“) oft genau gegenläufig waren. Zum anderen: „Katze funktioniert immer.“ Und mein Lieblingssatz des Tages stammt auch von ihm: „Wir wollten doch nur spielen.“

Schlussmäkelei: Wie heißt sie denn nun, die Veranstaltung hier? Der „1. Deutsche Social TV Summit“ firmiert im Netz als „Medienpuls Bayern“, und auch bei der Suche nach dem richtigen Hashtag (#dstvs? #stvs?) sind ich und andere kräftig herumgeirrt, weil es nirgends zu finden war (okay: für mich nicht). Sei’s drum.

Ansonsten habe ich beispielsweise gelernt: Die Fernseher-Hersteller reden gar nicht von „Second Screen“, sondern vom „Companion Screen“. Und auch sonst ist’s nicht uninteressant; wenn ich es schaffe, stelle ich später noch ein kleines Storify zusammen.

Veröffentlicht von Jan Eggers

Journalist. Teilzeituntergeek. Familienvater. Social-Media-Praktikant seit 2007. Sonst Multimedia beim Hessischen Rundfunk

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