Jobs mit Zukunft!

Nein, es geht nicht um Apple, trotzdem folgen ein paar Gedanken aus der Ecke „Wünsch dir was“: Richard Gutjahr hat unlängst wunderbar zusammengetragen, welche Fähigkeiten einen Multimedia-Journalisten ausmachen – hier soll es darum gehen, welche journalistischen Spezialisten verstärkt gebraucht werden von Multimedia-Unternehmen.  Allen diesen Jobs ist gemein, dass es tatsächlich journalistische Jobs sind – und dass ein rein journalistischer Erfahrungsschatz möglicherweise nicht genug ist. Die Frage, wo man diese Jobs findet und wie man sie finanziert, blende ich bewusst aus.

Hier also ein paar Vorschläge für journalistische Berufe mit Zukunft.

1. Faktenchecker

…sind nichts Neues, sondern ein alt ehrwürdiger Beruf – in großen Printredaktionen. Sie sind dort oft im Umfeld der Archive angesiedelt, worin ihr großer Vorteil liegt: Faktenchecker sind eben nicht Teil der Redaktion und der Recherche, sondern eine unabhängige Kontrollinstanz, die die Reporter routinehafte zum hochnotpeinlichen Quellen- und Faktencheck bitten darf.  In Rundfunkhäusern und Online-Redaktionen scheinen sie nach meinem Eindruck eher Seltenheitswert zu haben. Und auch dort, wo sie zum Inventar gehören, sind sie nicht unangefochten – das  NDR-Medienmagazin „ZAPP“ hat den Faktenchecker unlängst als bedrohte Art porträtiert. [Video]

Warum der Job immer wichtiger wird: Die Zeiten, als selbst ernannte Qualitätsmedien mit einem nonchalanten „Das versendet sich“ über Ungenauigkeiten hinweg gehen konnten, sind ein für allemal vorbei. Wenn die regelhafte Qualitätssicherung tatsächlich ein Mehrwert sein soll und nicht nur eine Behauptung, müssen Spezialisten hart daran arbeiten.

Was er/sie können muss: Als Journalisten mit hinreichender Recherche-Erfahrung müssen die Faktenchecker erspüren, wo eine Recherche auf Sand gebaut ist. Sie sollten Zugang zu Archiven und Datenquellen haben und nutzen.

2.Datenbankjournalist

Der Zusammenhang von Hitze und Todesfällen? Der Anstieg der Spekulation vor dem Crash? Ein räumlicher Überblick über die Verbrechen im Stadtzentrum?  Eine interaktive Grafik, die zeigt, wie sich der Arbeitsmarkt in der Region tatsächlich entwickelt hat? Aus der Verbindung und Verarbeitung einfach zugänglicher Daten mithilfe von Computern entstehen faszinierende journalistische Ideen und Aussagen. „Computer-assisted journalism“ – der Einsatz von Maschinen in der Recherche – ist das nächste große Ding.

Warum der Job immer wichtiger wird: Weil die meisten Redaktionen damit heillos überfordert sind – und sich dann doch lieber auf die Suche nach dem Experten machen, der vielleicht genau diese eine Frage schon einmal bearbeitet hat, die sie interessiert. Und dann müssen sie ihm das glauben. Ist das Qualitätsjournalismus?

Was er/sie können muss: Statistik – das heißt: ein solider sozial- oder naturwissenschaftlicher Hintergrund mit Methodenkenntnis. Und Ideen haben, wie man Daten am besten visualisiert – oder zumindest, wie man ein Visualisierungswerkzeug wie ManyEyes gewinnbringend einsetzt.

3. Entwicklungsredakteur

Neue Formate – für die analogen Medien funktioniert die Erfindung von Neuem ganz gut. Im multimedialen Umfeld kommen weitere Aufgabenstellungen hinzu: Neue Darstellungsformen, neue Werkzeuge müssen gesucht, gefunden und bewertet werden.

Warum der Job immer wichtiger wird: Das Internet hat zu einer Explosion der Möglichkeiten geführt; genutzt werden sie bislang wenig. Zugleich bringt der steigende ökonomische Druck die Erkenntnis: Die Zeit des ziellosen Probierens nebenbei ist vorbei.

Was er/sie können muss: Ökonomisch denken und ein Gespür dafür haben, welche Aufwände sich tatsächlich auszahlen und wo der eigene Arbeitgeber die Prioritäten setzt.Technisch denken und ein Gespür dafür haben, welche Trends und Werkzeuge lohnen.  Erfahrungen aus den Bereichen Informationsarchitektur und UX Design helfen sicherlich.

4. Multimedia-Projektmanager

Spannend wird Multimedia-Journalismus dann, wenn er die Stärken verschiedener Disziplinen kombiniert: Ein Rechercheur, ein VJ, ein Infografiker, ein Flash-Programmierer – und schon hat man ein Problem: diese Menschen muss man erst einmal an einen Tisch bringen und dann zu einem zu einem gemeinsamen Produkt. Gerade bei planbaren Großereignissen stellt sich dieses Problem: Wie arbeiten wir bereichsübergreifend, wie befördert man Synergien und vermeidet Reibungsverluste? Ein journalistischer Projektmanager ist gefragt.

Warum der Job immer wichtiger wird: Die wenigsten Medienunternehmen sind so organisiert, dass sie reibungslos über Medien- und Formatgrenzen hinweg arbeiten können. Eine gute Antwort sind Strukturen auf Zeit – Projekte eben.

Was er/sie können muss: Das Handwerkszeug des Projektmanagements beherrschen, also Arbeit so verteilen und organisieren können, dass auch Leute, die nicht regelmäßig miteinander arbeiten, als Team zu einem guten Ergebnis kommen. Und bei denen, die sich das staunend von außen ansehen, für die nötige Unterstützung und Akzeptanz sorgen.

5.Informations- und Wissensmanager

Formate und Plattformen entwickeln sich mit rasender Geschwindigkeit, die Organisation der Redaktionen ist immer noch 19. Jahrhundert: regelmäßige Konferenzen zum Informationsaustausch, und Karteikästen zur Wissensverwaltung. Da geht mehr: Redaktionssysteme und Intranet-Plattformen bieten Potential für Soziale Medien und Kollaborationstools. Und warum nicht mal von „Amateuren“ lernen – beispielsweise, wie man Google Wave einsetzen könnte?

Neue Werkzeuge allerdings setzen sich nicht von selbst durch, wie der Autor dieses Posts anhand der Einführung eines Redaktionswikis erleben durfte. Und man muss sich schon etwas länger mit Werkzeugen und Methoden beschäftigen, damit ihre Einführung gut gemacht ist und nicht nur gut gemeint.

Warum der Job immer wichtiger wird: Die gängigen Werkzeuge bilden meist die Organisationsstruktur ab, anstatt sich an crossmedialen Projekten und Prozessen zu orientieren – siehe oben.

Was er/sie können muss: Abläufe analysieren und strukturieren, Organisation ebenso im Blick behalten wie Technik.

6. Bitte hier einfügen…

Social-Media-Redakteure, Redaktions-Techniker und -Programmierer – man könnte noch so viele journalistische Berufe mit Zukunft nennen. Was fehlt?

Veröffentlicht von Jan Eggers

Journalist. Teilzeituntergeek. Familienvater. Social-Media-Praktikant seit 2007. Sonst Multimedia beim Hessischen Rundfunk

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