Datenjournalismus für (uns) Einsteiger

Wir haben verstanden: Dieses Signal sendet „Spiegel Online“ mit einer interaktiven Karte des Irak -einer Aufarbeitung der Wikileaks-US-Protokolle aus dem Krieg. Bei den Daten aus Afghanistan, die der Spiegel von Wikileaks ebenfalls vorab erhalten hatte, hatten sich das Magazin und die vom Magazin relativ unabhängige Online-Redaktion auf die klassische, große, gedruckte Reportage konzentriert – und war dafür unter anderem vom Alphablogger Thomas Knüwer schrill kritisiert worden. Was mit den Daten aus Afghanistan möglich war, hatte der Guardian vorgemacht; die Briten hatten Anschläge und tödliche Zwischenfälle auf einer Afghanistan-Karte animiert, die den Nutzern eindringlich vermittelt, wie das Land ins Chaos abdriftet: man kann es sehen, das große Ganze, mit eigenen Augen. Die „Guardian“-Redakteure nutzten die Chance, die Daten ihre eigene Geschichte erzählen zu lassen.

Modethema Datenjournalismus?

Die britische Website "Where does my money go?" hat sich dem Ziel verschrieben, die Ausgaben des Staates transparent zu machen. Screenshot.

Eine faszinierende Perspektive: Kein Wunder, dass das Thema auch bei uns derzeit viele helle Köpfe begeistert; Datenjournalismus ist auf dem Weg zum Modewort, und innovative Redaktionen haben längst mit Fingerübungen begonnen: die Zeit hat lange recherchiert, um eine interaktive Karte rechtsradikalen Mordes und Totschlags erstellen zu können. Und wieder liefern die aufgearbeiteten Daten dem Leser einen Aha-Moment: etwa, wenn auf einen Blick deutlich wird, dass die rechten Schläger im Westen eher in der Rotte angreifen, im Osten dagegen häufig Einzeltäter töten.

Unser Ansatz war bescheidener; das Vorbild war das wunderbare britische Projekt „Where does my money go?„, das den Staatshaushalt im Überblick darstellt – mit einer in Flash programmierten Visualisierung, die Größenverhältnisse verdeutlicht, als farbig abgesetzte Blasen. Wir wollten eine ähnlich starke Darstellung des hessischen Landeshaushalts schaffen – und gingen deshalb zunächst einmal auf die Suche nach handlichen Werkzeugen. Unser Ziel war jedenfalls klar: Zwei Arten von Beziehungen wollten wir augenfällig machen, zum einen Größenverhältnisse zwischen Ausgabenposten, zum anderen ihre Entwicklung über die Jahre.

So bescheiden das klingt: uns war klar, dass wir einen ehrgeiziges Vorhaben gestartet hatten. Allein der Haushaltsplan des Innenministeriums umfasst rund 200 Einzeldokumente – es ist also fast unvermeidlich, sich im Datenwald zu verlaufen.

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