Hochinteressanter Artikel im Journalismus-Think-Tank Nieman Lab: Anlässlich der Vorstellung des neuen iPad hat ein Reporter dem Tech-Blog Gizmodo dabei zugesehen, wie es sich auf dieses Ereignis vorbereitet. Und daraus lässt sich eine wunderbare Checkliste ableiten, wie man sich tunlichst auf Streamjournalismus vorbereite:
- Ein Team bilden. Neben den eigentlichen Livebloggern besteht dies bei Gizmodo aus Poolreportern, die vorbereitetes Material aufarbeiten – dazu gleich mehr – und Flankenschutz: Gizmodo versucht, so viele Kollegen wie möglich für das Apple-Event zu akkreditieren, um gewappnet zu sein.
- Material vorbereiten. 95% des Hintergrundmaterials ist vorgeschrieben und wird nur kurz überarbeitet, ehe es parallel publiziert werden kann – im Beispielfall Apple werden im Prinzip Erzeugnisse der Gerüchteküche aufgewärmt.
- Tools für reibungslose Medien-Uploads einrichten. Die Blogger verwenden viel Hirnschmalz darauf, Kameras und auch Reporter-iPhones so mit ihren Rechnern zu vernetzen, dass sich Bilder, Filme und Töne ohne viel Aufhebens direkt hochladen und einbinden lassen – ohne dass jemand sie von Hand anpassen muss.
- Trainingsläufe. Wenn das Team steht, organisiert und seine Werkzeuge kennt, wird geübt – mit einem Video vom letzten Jahr in Echtzeit.
- Eigene Erzählhaltung entwickeln. Die Persönlichkeit der Live-Blogger prägt das Produkt.
Ein letzter Punkt ist auch wichtig: einen Plan B haben. Kostenlose Werkzeuge wie Storify – oder Twitter – fallen unter Last schon mal aus. Selbst teure Profi-Werkzeuge wie CoverItLive können aus irgendwelchen Gründen wegfallen, wie es offenbar den Livebloggern von ifun.de passiert ist.Und selbst der Chef des Konkurrenten ScribbleLive (den wir beim hr übrigens auch einsetzen) hat das Mantra “Üben, beten, Reserven haben”.









Auf der anderen Seite: auch der eifrigste Community-Manager mag mal heim – und das Geld, um ihn zu vertreten ist begrenzt. Wie sieht also ein vernünftiger Kompromiss aus? Was nehmen die Nutzer noch hin – und wo werden sie sauer? Eine einfache Recherchefrage – und wie sich das gehört, wollte ich sie crowdsourcen.
Okay, auch wenn das hier als Rant angefangen hat: Zeit zu bremsen. Ich verstehe ja, dass man allzu leicht in diese Rolle fällt: vehement zu predigen, dass sich die Zeiten geändert haben. Dass Social Media die Verhältnisse zum Tanzen gebracht hat. Dass wir jetzt für unsere Kunden da sein müssen und nicht der Kunde für uns. Aber manchmal – nur manchmal – sollten wir uns vielleicht fragen, ob das Gegenüber das nicht vielleicht schon weiß. Das ist jetzt nicht der Aufschrei des in seiner Ehre gekränkten Social-Media-Menschen – auch vermeintliche Netzn00bs haben ja vieles längst und vieles andere zumindest intuitiv verinnerlicht. (Leander Wattig hat das mal so schön auf den Punkt gebracht.) Solange wir alle paar Monate ohnehin etwas Neues lernen, steht uns das, glaube ich, gut an.