Jan Eggers

Das Interdings, soziale Medien, Journalismus und der ganze Rest.

Archiv für das Schlagwort ‘Medienwandel’

Jobauftrag: Mach dich selber überflüssig!

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Weil ich ja noch etwas schreiben wollte über meine seit einigen Tagen offizielle neue Rolle:  erster Social Media Manager des Hessischen Rundfunks, also hier einen Job neu erfinden – deswegen also kommt mir ein Artikel ganz gelegen, den das famose Nieman Journalism Lab heute anbietet, über eine Diskussion unter anderem mit der Social-Media-Chefin der New York, Liz Heron.

Die ist nämlich aus gutem Grund der Ansicht, dass es ihren Job in fünf Jahren wohl nicht mehr geben wird.

Das Argument: Derzeit sind wir in einer Umbruchphase. Redaktionen müssen umlernen, müssen alte Grundannahmen infrage stellen. Das ist aber irgendwann abgeschlossen, und Heron glaubt nicht, dass das noch sehr lange dauert:

Social Media und die Innovationen in ihrer Anwendung werden zur Gemeinschaftsaufgabe. Also, sagte Heron, “ist es nicht mehr so nötig, dass eine einzelne Person dafür verantwortlich ist.” (meine Übersetzung)

Heißt also: Ein Social Media-Verantwortlicher in einem Medienunternehmen hat dann Erfolg, wenn er sich selber überflüssig gemacht hat.

Autor Jan Eggers

31-10-2011 um UTC18:42

Blogger vs. Journalisten (2): All you need is love!

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Auf mein gestriges Fundstück zum Thema “Blogger vs. Journalisten” kam ein interessanter Kommentar, der mir zum einen vorhielt, die Schlagzeile sei ein Scheingegensatz (okay – aber: es ist halt so ein schönes Klischee!), zum anderen die schöne Beobachtung beitrug, das Wort “Amateur” komme von “amare”, lateinisch: lieben.

Nun unterscheidet sich der Amateur vom Profi ja erst einmal dadurch, dass letzterer versucht, von seiner Tätigkeit zu leben, und nicht durch die Liebesfähigkeit; trotzdem wirft das die Frage auf, wo denn im journalistischen Alltag die Liebe zur Sache geblieben ist. Schließlich ist es genau das, was Profi-Journalisten sich aus dem Netz immer wieder anhören müssen: Lieblos.

Natürlich: Alles kann und will man nicht lieben; und da wir Journalisten in der linearen Welt von Radio, TV und Print nun einmal Generalisten sein müssen: Für “Kurz alles Wichtige von heute” braucht man keine Liebe, sondern Effizienz. Und doch: als ich heute Richard Gutjahrs wunderbaren Text las über das, was Journalisten vom Blogger (nein: als Blogger, @issis!) lernen können, dachte ich: in Richards Aufzählung (Kritikfähigkeit, Demut, Experimentierfreude, Transparenz und Tatkraft) fehlt mir die Liebe zur Sache. Und damit meine ich jetzt nicht blinden Fanatismus; Kreuzzügler lese ich auch als Blogger nicht. Aber die Leidenschaft für das, worüber wir berichten.

Eine Ahnung, wohin ein Teil dieser Leidenschaft entwichen sein könnte, vermittelt ein Text des “Rhein-Zeitung”-Chefredakteurs Christian Lindner für das kommende crossmediale Journalistenlehrbuch von Christian Jakubetz et. al. Für Lindner begann die Liebe zu verschwinden, als die Technik einsickerte – etwa das Fax:

Das Wort „gestern Abend“ schmückte nun immer öfters unsere Texte. Was wir dabei verloren, merkten unsere Altmeister eher als wir jungen Kollegen: Hatten sie noch die Zeit gehabt, genossen und genutzt, beim berühmten Bier nach der Ratssitzung von den Kommunalpolitikern die wirklich spannenden Informationen gesteckt zu bekommen, so hetzten wir nun direkt nach Ende des Termin zum Schreiben in die Redaktion. Wir informierten nun schneller – und verloren genau dadurch Informationen.Und das Unheil namens Technikfixierung, das Tausende von deutschen Lokalredaktionen inhaltlich schwächte, nahm weiter seinen Lauf.

Jetzt habe ich mit diesem Text alle möglichen Streitpunkte; ich finde nicht, dass jemand schon ein guter Journalist ist, bloß weil er ein Ignorant ist: wie sein Produkt entsteht und welche Mittel einem das in die Hand gibt, muss man wissen. Aber lesenswert ist der Text in jedem Fall, schon weil Christian Lindner ja kein nostalgisierender Technikfeind ist, sondern ein Zeitungs-Pionier im Feld “Nutzerbindung via Social Media“. Und in der Beobachtung stimme ich ihm zu: Irgendwo ging im Klein-Klein ein Stück Leidenschaft verloren – das man von den Bloggern wieder lernen kann.

Steile These: All you need is love.

Autor Jan Eggers

20-06-2011 um UTC20:21

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Blogger vs. Journalisten – ein Fundstück

3 Kommentare

Der leidenschaftliche Amateur schlägt den gelangweilten Profi fast immer – mit diesem Satz des “Wired”-Chefredakteurs Chris Anderson kann man nicht nur gut zur Erklärung des “Long Tail” hinführen, sondern vor allem auch junge Journalismus-Profis trefflich provozieren. Dann diskutiert es sich viel besser darüber, warum das mit “Kuratieren” – Inhalte und Leistungen Außenstehender offen und offensiv in eigene Produkte integrieren – so eine wichtige Technik ist.

Problem ist bloß: womit belege ich die Behauptung von Chris Anderson? Mit dieser Frage schlage ich mich herum, weil ich gerade ein Kompaktseminar Online-Journalismus für die nächsten hr-Volontäre vorbereite. Die Antwort brachte – unerwartet – meine BBC-Lieblingsserie “Doctor Who” [IMDb]. Auf der Suche nach einer Rezension bin ich via IMDb auf MaryAnn Johanson gestoßen, eine Filmkritikerin, die mit großer Leidenschaft und Originalität über “Doctor Who” bloggt – und hier ihren Arbeitsprozess beschreibt. Auch für Rezensionen gilt: Mehr Aufwand, besseres Ergebnis, right?

So blogge ich über Doctor Who: Ich sehe mir jede [dreiviertelstündige] Episode dreimal an. Das erste Mal nur, um den Reiz einer neuen Folge zu genießen. Das zweite Mal, um Dinge wahrzunehmen, die beim ersten Mal nicht bedeutungsvoll erschienen, aber jetzt mehr Sinn ergeben, wo ich weiß, wie die Sache ausgeht. Diese beiden Durchgänge sehe ich mir samstagsabends auf dem Sofa an, üblicherweise mit einem Glas Wein und etwas zum Knabbern, und während ich anfange, meinen Text über die Episode zu formulieren, denke ich eigentlich gerade erst darüber nach. Der dritte Durchgang, am Sonntag, ist der intensive: Ich sitze am Computer, mache mir Notizen, mache Bildschirmfotos aus der Episode, erledige jetzt endlich wirklich die Arbeit, eine Art Sinn aus der Episode zu ziehen. [Quelle/meine Übersetzung]

Man vergleiche das in Gedanken kurz mit der Aufwands-Ertrags-Rechnung eines Profi-Kritikers: Wer für eine Rezension einer einzelnen TV-Folge mit einem in der Regel allenfalls zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Honorar entlohnt wird – und davon am Ende auch noch leben muss – kann und wird sich diese Arbeitsweise nicht leisten. Der Amateur siegt – muss siegen.

Autor Jan Eggers

19-06-2011 um UTC21:38

Das Schöne Wort zum Tage

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Stellen Sie sich eine Einrichtung vor, die Ihnen (1) verrät, was am gestrigen Tag passiert ist, (2) eine Liste liefert von allen, die einen gebrauchten Opel Kadett verkaufen, und zu welchem Preis, (3) Hochglanzfotos von jedem einzelnen Warenstück zeigt, das Sie morgen im Kaufhaus erwerben können, (4) die Anfangszeit für jeden Film in Ihrem Kreis gibt, (5) einen Coupon liefert, mit dem Sie den Preis für Eier bei Ihrem Lebensmittelhändler halbieren können, (6) die Zukunft voraussagt, (7) die Agenda der Sitzung des Parkraumbewirtschaftungsausschusses nennt, (8) Aktientipps gibt, (9) das Wetter für morgen vorhersagt, (10) die Chancen der Heimmannschaft im Ligaspiel morgen einschätzt und (11) jedes Haus im Kreis auflistet, das zu verkaufen ist.

Warum in aller Welt sollte man diese völlig unterschiedlichen Dinge zusammenbinden wollen? In den meisten Fällen wollten die Käufer der Zeitung nur eine oder zwei von diesen Sachen, den Rest aber nicht. Es waren nur für jeden andere. Was sie alle zuammenbrachte, war der Komfort eines einheitlichen Zustellsystems – es brachte die Zeitung nach Hause oder erleichterte den Erwerb. Kleine Vertriebsstellen  Zeitungskioske oder -stände – haben nur begrenzte Ausstellungsfläche. Sie können eben nicht zwanzig verschieden Zeitungen an jede Straßenecke bringen.

Der Journalist Larry Kramer in der American Journalism Review über Geschäftsmodelle damals und heute. (Lokalisierung von mir.)

Autor Jan Eggers

3-11-2010 um UTC08:53

Neulich, mitten im Medienwandel

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“Also, dass das mit dem iPad was ändert, ist mir klar geworden, als ich meine Freundin beobachtet habe, wie sie sich vorm Umblättern die Finger anfeuchtet.”

(Staunender iPad-Besitzer am Rande eines IT-Forums in Kassel.)

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Autor Jan Eggers

18-10-2010 um UTC23:04

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