Jan Eggers

Das Interdings, soziale Medien, Journalismus und der ganze Rest.

30. Dezember 2015
von Jan Eggers
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Komischer Angriff!

Und ich frage mich so: wen habe ich in letzter Zeit geärgert? Seit gut 24 Stunden wird dieses Blog angegriffen – von einem Skript, das automatisiert versucht, mein Passwort zu erraten. Nach einigen Versuchen sperrt die Sicherheits-Software das Blog für eine Zeit – und das Skript versucht es über eine neue Adresse auf irgendeinem kompromittierten Server in Russland, Kasachstan oder sonstwo wieder neu.

Screenshot Posteingang mit Warnungsmeldungen

Die Regelhaftigkeit und Beständigkeit des Angriffs zeigt: dahinter steckt Sach- und Fachkenntnis. Und sie ist völlig sinnlos, denn ohne überheblich werden zu wollen: bei der Geschwindigkeit ist das Passwort für mein Account frühestens in einigen Jahrtausenden erraten. Das Account übrigens hat nur eingeschränkte Rechte – außer neue Artikel verfassen kann man damit eigentlich nichts anstellen.

Und so ist der Angriff: technisch gut gemacht, in sich stimmig, präzise und – vollkommen sinnlos. Der Angreifer muss Volkswirt sein.

4. Dezember 2015
von Jan Eggers
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Kommentarmoderation, Boss Level: „Ihr seid alle viel zu nett!“

"Sugarland Trolls" - Weingummi-Trolle in der Tüte. CC BY-SA Maik Meid

CC BY-SA Maik Meid/via flickr.com

Schwierige Kommentare schnell verschwinden lassen, damit sie das Klima nicht verpesten – oder engagiert dagegenhalten? Bis hin zur öffentlichen Bloßstellung – und auf die Gefahr hin, den Störern so genau das zu liefern, was wie wollen: Aufmerksamkeit? Sicher ist nur: es muss sich etwas ändern im Community Management. Das war Ziel eines hr-internen Workshops, den wir mit den Social-Media-Macherinnen im Haus meines Arbeitgebers organisiert haben: besser antworten können.
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14. August 2015
von Jan Eggers
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Facebook-Patent zur Kreditwürdigkeit – ein falscher Link reist um die Welt

Schon spannend: Facebook hat ein Patent, mit dem sich – unter anderem – auch ein Index für die Kreditwürdigkeit des jeweiligen Nutzers berechnen lässt. Könnte also zu einer Art Über-Schufa werden.

Flowchart für die Beurteilung der Kreditwürdigkeit, Grafik aus der Facebook-Patentanmeldung

Kreditwürdigkeit im Social Graph: Grafik aus dem Facebook-Patent Nr. 9.104.493 vom 11.8.2015

Tolle Geschichte. Ausgegraben hat sie ein cleverer Patentanwalt, publiziert hat sie CNN Money.Und ich finde sie sehr spannend, weil ich mich gerade für das kommende Funkkolleg Wirtschaft mit der Macht der neuen Monopolisten Google, Facebook, Apple, Amazon beschäftige – und unter anderem die nicht ganz originelle These vertrete: die nächste Branche, deren Geschäftsmodell von ihnen umgekrempelt wird, sind die Banken. Aber das nur am Rande.

Zurück zum Originalartikel, zurück zum Handwerk. Die CNN-Leute haben nicht nur ganz altbacken aus dem Patent zitiert, sie haben – wie es sich für gute Netzjournalisten gehört – auf die Originalquelle verlinkt: auf dieses Patent. Dumm nur: da ist ihnen ein Fehler unterlaufen – das verlinkte Patent gehört zwar auch Facebook, beschäftigt sich aber mit einem technischen Problem beim Management einer Serverfarm. Das richtige Patent ist ein paar Klicks weiter, und zwar hier.

Nun wäre diese kleine Ungenauigkeit nicht weiter der Rede wert – aber der falsche Link ist wie eine ansteckende Krankheit: er ist bei allen, die das Thema angefasst haben, nachzuweisen. Zumindest bei denen, die ich auf die Schnelle gefunden habe:

Heißt: Von den vielen, vielen Netzjournalisten, die sich (zum Teil) sehr kundig mit der Meldung auseinandergesetzt haben, haben zwar viele den Link übernommen – vielleicht haben ihn einige sogar geklickt – aber niemand hat sich die Mühe gemacht, mit angeschaltetem Hirn auch nur die Überschrift der Originalquelle zu lesen: „System and method for cluster management“.

Und das gibt mir dann schon zu denken über die Standards meiner Branche.

(Hall of Fame: Die Welt hat zwar den Link nicht eins zu eins übernommen, hat selbst nach dem Link gesucht, zunächst ebenfalls einen kleinen Fehler gemacht, hat ihn aber anderweitig verbaselt.inzwischen korrigiert)

15. Juli 2015
von Jan Eggers
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Die Kunst der Verdichtung: Die Geschichte von MP3

Plattenspieler mit der Aufschrif "Vinyl kills the mp3 industry."

CC BY Acid Pix (via Flickr.com)

Am 15. Juli 1995 kam ein Kürzel in die Welt: .mp3 – die Dateiendung für komprimierte Musik. Musik, die kunstvoll so klein gerechnet wurde, dass man die Daten verschicken konnte, auch ohne Megabit-Datenleitungen. Um den 20. Geburtstag von MP3 zu feiern, möchte ich seine Geschichte noch einmal erzählen – entstanden ist das ursprünglich für ein hr2-„Wissenswert“-Radiostück im Jahr 2012. Hier die Langfassung.

Wird meine Tochter, jetzt zwei, diesen klassischen Sketch der Komikertruppe Monty Python noch verstehen, wenn sie groß ist? Ich werde ihr erklären müssen, was eine Schallplatte ist. Auch CDs wird sie nur noch aus dem Museum kennen – und sie wird sich über das Wort amüsieren: Tonträger. Doch vor gar nicht so langer Zeit haben wir angefangen, Musik auch ohne Tonträger zu verbreiten – auf Festplatten und über Datenleitungen, in digitaler und zudem in verdichteter Form: als MP3-Datei.

Dies ist die Geschichte, wie es dazu kam. Sie erzählt, wie man Musik klein kriegt – so klein, dass die Dateien auch per Modem versandt werden konnten. Wie ausgerechnet ein Elektrotechnik-Student lernte, die menschlichen Ohren auszutricksen, indem er sich und andere beharrlich quälte. Wie ihn die Sängerin Suzanne Vega vor ein gewaltiges Problem stellte, und er sie über tausend Mal hören musste, um es zu lösen. Die Geschichte erzählt von einem Akt der Piraterie, der MP3 erst zum Erfolg werden ließ – und von einer der ersten viralen Kampagnen. Und sie erklärt, warum MP3-Spieler eine politisch begründete Abneigung gegen Kastagnetten haben. Aber der Reihe nach.

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17. Juni 2015
von Jan Eggers
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Move fast and break things. (Or burst balloons.) – Live vom ARD-ZDF-Hackathon

Bunte Ballons in einem Käfig aus Sitzelementen - die "Ballonuhr" beim ARD-ZDF-Hackathon 2015

Die Ballonuhr

Und um halb neun stellen sich Nadja und Philipp die Sinnfrage. Was hat ein Nutzer eigentlich von einer App zur Einsplus-Sendung „Auf 3 Sofas durch…“? Wo liegt der Mehrwert? Wie gestalten wir das Verhältnis zu Facebook und Instagram, wo sich die Zuschauer natürlich auch finden, und finden sollen? Die beiden diskutieren konzentriert – und lange. „Seid ihr schon fertig, oder was?“ kommentiert das ein Programmierer aus dem Zeitreise-Team, der nach einer Dreiviertelstunde erneut bei den beiden vorbeikommt.

Noch lange nicht. Sie werden am Ende über zwei Stunden über die Nutzersicht der Dinge diskutiert haben.
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