Jan Eggers

Das Interdings, soziale Medien, Journalismus und der ganze Rest.

16. März 2015
von Jan Eggers
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Spielen wir mal Fernsehen: Live mit Meerkat

Meerkat-Anmeldebildschirm: "Tweet Live Video".

Kurz ein paar Erkenntnisse aus einem kleinen Experiment mit der Livestreaming-App für den sendungsbewussten Twitterer. Seit einem Update letzte Woche läuft die App auch auf meinem iPad rund. Dann ein Anlass: Auf dem LPR-Forum Medienzukunft hatte ich nach dem Vortrag des „Krautreporter“-Chefredakteurs Alexander von Streit noch reichlich Fragen – und dachte mir: die kann ich ihm gleich auch vor einem kleinen Publikum stellen. (Dazu demnächst mehr.) Also in der Pause zu ihm hin, den Rahmen besprochen – und angefangen.

Das Schöne an Meerkat: Man muss sich über nichts Gedanken machen; einfach eine Schlagzeile für den Livestream eintippen – die die App dann gleich twittert – und los.

Ein paar Dinge musste ich dann doch lernen:

  • Unbedingt hochkant filmen. Ja, wir Medientypen haben eine tief sitzende Abneigung gegen das „Vertical-Video-Syndrom„. Im Mobile-First-Zeitalter sollten wir sie zumindest infrage stellen – und mit Meerkat ist sie ganz schön gefährlich: Wenn man wie gewohnt querformatig filmt, sieht das zwar – zumindest auf dem iPad – ganz passabel aus. image
    Die Nutzer sehen aber nur eine auf Hochkantformat beschnittene Version: image
    Und das ist in einem Gespräch ziemlich ärgerlich: wenn man sich nach dem Querformat-Bild richtet, filmt man konsequent zwischen den beiden Gesprächspartnern durch.
  • Kenne Dein Publikum. Wie viele seiner Follower erreicht man mit einem spontanen Aufruf, doch mal einem Live-Gespräch zuzuschauen? Bei mir war es – immerhin – eine Handvoll, darunter ein, zwei Teilnehmer der Konferenz, auf der ich gerade war. Das wird auch nicht grundsätzlich anders sein, wenn man eine weitere Meerkat-Funktion nutzt und den Stream vorher plant und ankündigt – abgesehen von einigen wenigen Fällen, in denen ein Reporter mitten in einem Nachrichten-Ereignis steht und sendet, hat ein Meerkat-Stream mehr mit einem Hangout unter Experten gemein als mit einer Social-TV-Live-Sendung.
  • Trotzdem: öffentlich. Ein Meerkat-Stream ist also in der Regel kein Massenmedium, es fühlt sich trotzdem so an. Mein Gesprächspartner und ich sind automatisch in die Frage- und Antworthaltung zweier Menschen verfallen, die auf einem öffentlichen Podium sitzen.
  • Auf @replies bei Twitter achten. Charmant ist, dass Kommentare zum Stream bei Twitter direkt von der App eingeblendet werden – aber nur, wenn der Absender direkt auf den „|LIVE NOW|“-Tweet antwortet, nicht wenn er mir einfach so eine @reply schickt. Schade, wenn ein interessantes Feedback auf den Stream durchrutscht, weil der Nutzer formlos zurückgetwittert hat und ich die Twitter-Benachrichtigungen ausgeschaltet habe.
  • Aufzeichnung mitdenken. Sehr praktisch ist, dass Meerkat nach Beendigung des Streams anbietet, einen Mitschnitt lokal aufzuheben – im Netz sollen nach Aussage der Meerkat-Macher allenfalls Sekunden des Streams aufzufinden sein, auf dem iPad kann ich sie aufheben. Was ein schönes Transparenz-Szenario für Mobil-Reporter ermöglicht: Das Gespräch mit einem O-Ton-Geber live streamen, den Mitschnitt für O-Töne auswerten. Das hülfe dem Gegenüber auch, zu verstehen, dass es nicht nur mit mir spricht, sondern mit einem Publikum.

Was Meerkat definitiv fehlt, ist eine Android-Variante der App – und offensichtlich auch die Liebe von Twitter: nachdem Twitter ein Startup übernommen hat, das eine Meerkat-ähnliche Technik bastelt, drehte der Konzern Meerkat den Zugang zu einem Teil der API ab – auf die „Soundso-ist-jetzt-bei-Meerkat“- und „Dein-Twitter-Freund-soundso-sendet-gerade“-Benachrichtigungen muss man also in Zukunft verzichten.

Trotzdem meine ich, dass Meerkat einen Blick lohnt oder auch zwei – ganz besonders für die Einsatz-Szenarien „Live-Reporter mittendrin“, „Experten fragen, Experte antwortet“ und Mobile Reporting.

8. Dezember 2014
von Jan Eggers
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Besuch bei einer Onlineredaktion mit angeschlossener Zeitung

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Vor einigen Tagen hatte ich die Gelegenheit, den Newsroom von Springers Welt in Berlin zu besuchen. Der Newsroom ist als Antwort auf ein Problem entstanden, das alle alten Medienhäuser haben: Wie bringen wir traditionelle und digitale Produkte zusammen? Wie sorgen wir dafür, dass etwas aus einem Guss entsteht und wir redaktionelle Synergien nutzen können. Die Welt arbeitet schon sehr lange, nämlich seit 2004, an der Lösung dieses Problems – und ist zu einer überraschend radikalen Lösung gekommen.

Besuch im Welt-Newsroom – eine Mini-Webreportage.

21. Oktober 2014
von Jan Eggers
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Seminartumblern mit Stil!

Seminarprotokolle schreiben ist ein notwendiges Übel, aber ein Übel ist es allemal. Irgendwie ist es mir bisher nicht gelungen, eine Textverarbeitung zu finden, mit der ich mühelos und in brauchbarer Größe Foto- und Textprotokoll vereinen kann; das Einfügen der Fotos mit Word, Docs, Pages, LibreOffice etc. ist eine unglaubliche Fummelei. Abgesehen davon, dass man das Seminarprotokoll eigentlich führen müsste, während man das Seminar hält – mit Word und Co. so gut wie unmöglich.

Die gute Nachricht: Tumblern geht. Richtig gut sogar.

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Ein Tumblelog – also ein Blog beim Einfachst-Blogdienst Tumblr – ist eine schöne Methode, um ein Seminar praktisch live mitzubloggen; ganz besonders, wenn man einen hohen Anteil an Fotos im Protokoll erwartet: Ein solcher Seminartumblr ist in wenigen Minuten eingerichtet, und mit den entsprechenden Apps kann man Seminarfotos bequem schießen und hochladen. Bereits gepostete Fotos, Links und Texte lassen sich parallel am PC oder Tablet nachbearbeiten – und als Bonusnutzen können die Teilnehmer immer wieder nachschauen, wie das Seminarprotokoll wächst.

Nachteil ist, dass ein Tumblr genau andersherum sortiert ist als ein Protokoll – das Neueste steht zuerst, nicht zuletzt. Diesen Nachteil kann man aber mit einem Trick umgehen. Weshalb jetzt folgt:

Die Schritt-für-Schritt-Anleitung für ein Seminartumblr

  • Ein tumblr anlegen. Wer die Vertraulichkeit des Seminars wahren möchte, sollte es von den Suchmaschinen ausschließen und u.u. sogar ein Passwort setzen.
  • Das Tumblr-Dashboard anklicken, das neu angelegte Blog auswählen und „Anpassen“ klicken. Das Template Optica suchen und auswählen – das hat zwei Vorteile: Erstens eine brauchbare Grid-Ansicht, mit der sich schöne Überblicks-Seiten zum Ausdrucken herstellen lassen, und zweitens die „Endless Scrolling“-Option, die wir jetzt einschalten. Das macht’s später leichter, das Blog herunterzuladen.
  • Titelbild und Profil nach Wunsch anpassen.

Jetzt kann’s losgehen – wir können posten; von der App via Smartphone oder Tablet oder vom Computer. Wichtig ist nur eins: Alle Posts müssen zusätzlich ein und dasselbe vorher festgelegte Tag bekommen. Sonst kann man nachher die Reihenfolge nicht umdrehen. Am einfachsten nimmt man einen Buchstaben – „x“ wäre schön. Oder den Namen des Projekts: „#buzzy“ zum Beispiel.

Wenn das Seminar gelaufen ist und alle Posts abgesetzt und ggf. nachbearbeitet, wird es Zeit, die Reihenfolge umzudrehen und ein PDF zu erstellen:

  • Das Seminarblog aufrufen. (Die Dashboard-Ansicht tut’s nicht – die URL muss also wirklich meintumblr.tumblr.com lauten und nicht www.tumblr.com/meintumblr. [Beispiel]
  • Auf das festgelegte Tag klicken (in unserem Beispiel: #buzzy). Wenn wir brav alle Posts mit dem Tag „buzzy“ markiert haben, sind sie weiter alle zu sehen. [Beispiel]
  • Das wirklich Magische kommt jetzt: In die Adress-Zeile des Browsers klicken und hinter die URL noch /chrono eingeben. Jetzt werden die Posts in chronologischer Reihenfolge angezeigt [Beispiel] – ein Trick, den ich hier gefunden habe.

Diesen Link kann man seinen Seminarteilnehmern als Protokoll-Ersatz mailen – und als Sonder-Service noch ein Überblicks-PDF dazutun:

  • Oben rechts auf „Template bearbeiten“ klicken.
  • Zu den Template-Optionen scrollen und bei Layout „Grid“ auswählen.
  • In ein PDF drucken. (Mit dem Chrome-Browser ist das ohnehin die Voreinstellung beim Drucken. Mit anderen Browsern hilft beispielsweise der PDF Creator.)
  • Das Template wieder zurück auf das Layout „Regular“ oder „Narrow“ zurückstellen.

PDFs lassen sich in der Word-Konkurrenz LibreOffice nachbearbeiten, wenn’s denn sein muss; besser fährt man aber, wenn man den Seminartumblr selber etwas nachbearbeitet: So oder so: Der Aufwand fürs Protokoll ist gewaltig geschrumpft – und es entsteht dann, wenn das Seminar läuft, nicht aus der Erinnerung hinterher.

23. Juni 2014
von Jan Eggers
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Die schlechteste Art, 50 Euro auszugeben

Facebook-Werbung für einen Beitrag in unserem Blog: bringt Traffic, geht aber am eigentlichen Ziel vorbei. Bilanz eines Versuchs zu Lehrzwecken. 

Brennender Dollar. CC-BY images_of_money

CC-BY Images_of_money/via flickr.com

Es war Halbzeit: Buzzy, unser kleines Experiment in praktischem Community Management, war nach den ersten vier Tagen schon ganz gut angelaufen. Das erste Wochenende lag hinter dem den 8 Volontärinnen und Volontäre des hr, die den Auftrag hatten ein Buzzfeed-artiges Angebot aufzuziehen, um praktische Erfahrungen zu sammeln: im Umgang mit Kommentatoren, Fans und Trollen, und darin, wie man Inhalte auf Social-Media-Verbreitung hin optimiert. (Mehr dazu habe ich hier geschrieben.) Buzzy-Logo 100x100Bekommt man in einer Woche eine Community ins Laufen? Im Normalfall nicht. Also haben wir uns überlegt, zu schummeln – und unsere Seite mit gekaufter Aufmerksamkeit zu pushen. Sprich: mit Online-Werbung. Den zu Recht gebührensensiblen Lesern darf ich versichern, dass für dieses Experiment kein einziger Beitragseuro verletzt wurde – unser exorbitantes Werbebudget von 50 Euro verdankte sich der privaten Großspende eines Seminarleiters.

Gut gezielt…

Eine kurze strategische Analyse brachte uns zu diesen Überlegungen:

  • Von den verschiedenen Plattformen, auf die wir Buzzy gebracht hatten – Blog, Twitter, Youtube, Instagram, Facebook – , entwickelte sich Facebook aus einer Reihe von Gründen am besten.
  • Es ist also klug, sich auf diese Plattform zu konzentrieren – die anderen kann man, wenn man eine Basis hat, nachziehen.
  • Primärziel also: Facebook-Fans gewinnen.
  • Sekundärziel: Traffic auf die Stammseite ziehen.

Die Volos überlegten sich außerdem, die Werbung eventbasiert zu schalten – also: sich ein Event zu suchen, das in unserer Zielgruppe in aller Munde ist und dazu unserer potenziellen Klientel einen Buzzy-Inhalt zu servieren. (Diese Zielgruppe hatten wir mit Hilfe von vier Personas umrissen: Twentysomethings, netzaffin, gebildet, unterhaltungsorientiert, eher urban.) Ein Ereignis, das sich gut dazu eignete, gab’s auch – den Start der ARD-Version des Quizduells am 12. Mai. Wozu Buzzy eine Batterie von halb ernst gemeinten Quizduell-Tipps vorbereitet hatte – mit den passenden AniGifs. Das musste doch klappen!

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