Jan Eggers

Das Interdings, soziale Medien, Journalismus und der ganze Rest.

23. Februar 2016
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Und heute schreiben sie Facebook-Posts…

Fundstück: Vor 20 Jahren von einer guten Freundin aus dem Posteingang einer internationalen Organisation gefischt und dann vergessen, weil bei aller Schrägheit ziemlich beunruhigend. Und heute kommt mir dieser Stil nur allzu vertraut vor. Was Helmut Markwort und Vera Int-Veen dazu zu sagen hätten, konnte ich bis jetzt leider nicht herausfinden. Enjoy. 

  
Volltext:

Cologne 19.9.1996

Hey operatoresses and operators!

Let me talk about injecting male dealer brain in womens.I think such uncool acts are done up to yet.Every human being has paranoia of getting injected now the brain in another body of some more stupid human being.I think Claudia Schiffer and Cindy Crawford are stupid.

We call these grow machine human beings synthos.And further I myself do not want to goe to the Andromeda Galaxy for NASA or anybody else in a small satellite.You know,Mila and Nadja Vandemar you can ask about my plans and they might tell you the truth about humans brains and humans paranoia of getting syringed in.Now let me tell you about mushroom Laser weapon.I think you pick mushrooms worldwide and instead of giving it to the red indian aboriginal of america you put it in your laser weapon.Doe youthink that is right,Maybe you use poisonus mushrooms because you do not know the mushroom world exact.So,my wash is that you only inject brains that want this.Further I wish that you let mushrooms grow in the nature because they are important for ecological balance of nature.Ask Helmut Markwort from Focus newspaper or Vera Veth-Inn from SAT1 Television in Germany what they thank about these evil plans.Punish some hummn pigs that put dangerous chemical poisons ore tumors or vires in the nature at nlght.Punish older Nazischweine-Rentner and Rentnerrinnen that want to make up the big Adolf Hitler.Work together with INTERPOL more.Believe in the good of humanity and in the interest of humanity you should tell truth.Bye ,bye…. •.

Yours Truly Mr. (…)

21. Januar 2016
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Spass mit Hass!

"I love Haters!" CC BY-NC-SA Erik Gustafson/via flickr.com

„I love Haters!“ CC BY-NC-SA Erik Gustafson/via flickr.com

Ein guter Vorsatz für 2016: in diesem Jahr den ersten Rhein-Main-Troll-Poetry-Slam mitorganisieren. Ich bin ja immer schon ein großer Freund von Veranstaltungen, die einem helfen, das Elend wegzulachen. Und wenn man sich mit Kommentaren bei Facebook, Youtube und Twitter beschäftigt, gäbe es weiß Gott eine Menge wegzulachen derzeit. Sascha Lobo hat dazu gerade alles gesagt, und in mir wächst die Überzeugung, dass die alte „Don’t feed the troll“-Regel – aggressive Kommentare gar nicht ignorieren – nicht mehr funktioniert. Dafür sind einfach zu viele unterwegs, die eine klare Agenda haben: Sie wollen uns, unsere Diskussionen, missbrauchen, um ihre Botschaften zu streuen. Und ich finde, wir dürfen ihnen nicht kampflos das Feld überlassen. Wir müssen gegenhalten – mit Gegenrede, dem „Verbergen“-Button, und ab und zu mit Sarkasmus bis hin zur öffentlichen Anprangerung von Propagandisten.

Schwarze Rhetorik für Spielkinder

Ist „Public Shaming“ – ist das öffentliche Anprangern von Faslern, Polterern und Pöblern a la Welt – nicht unfair? Muss man nicht auch aggressiven Nutzern mit Gleichmut und Sachlichkeit begegnen? Ein Gespräch setzt voraus, dass der andere Recht haben könnte, hat der Philosoph Hans-Georg Gadamer mal gesagt. Also: Im Prinzip ja, wenn der andere überhaupt gesprächsbereit ist (vergleiche den „Trolldetektor“).

Wer sich aber in Diskussionen einlässt mit Leuten, die in ihrer geschlossenen Welt leben und weiter leben wollen, oder die unsere Seite als Bühne missbrauchen wollen, der verhält sich wie jemand, der in einer Kneipenschlägerei mit einem aggressiven Säufer unbedingt nach den Queensberry-Regeln boxen will.

Auf der anderen Seite will man ja nicht, dass die Abgründe, in die man da manchmal starrt, in einen selbst hineinblicken. Ein Mittel zur Selbstverteidigung ist also gesucht – und da habe ich durch Zufall ein sehr schönes Werkzeug gefunden, mit dem man auch noch etwas lernen kann: das Rhetorische Quartett. Ein wunderbar aufgemachtes Kartenspiel, dessen Macher die diversen Klassiker ausgewertet haben – und die häufigsten rhetorischen Tricks auf 60 schön gestaltete Spielkarten gepackt.

Drei Aktionskarten des Rhetorischen Quartetts: Verallgemeinerung, Suggestion, Falsches Dilemma

Scheinargumente, Ablenkungsmanöver und schlecht gestützte Behauptungen – das sind einige der Waffen, die die Propagandisten und Störer immer wieder einsetzen, in der (häufig) berechtigten Hoffnung, uns damit so sehr zu beschäftigen, dass wir sie gewähren lassen. Nicht mehr: denn jetzt zeigen wir ihnen die Karte.

Das Wunderbare am Rhetorischen Quartett: die Karten stehen unter CC BY-NC – und sie sind alle direkt verlinkbar (wenn auch in einer etwas älteren Version). Anstatt mir gegen die Aluhüte den Mund fusselig zu reden – gedenke des 1. Linuziferschen Trollgesetzes: wer zu viel Worte braucht, verliert – verlinke ich einfach auf den Trick, mit dem sie versuchen, die Diskussion an sich zu reißen.

Etwa so:

…gegen das „Wer so anfängt, den braucht man gar nicht zu lesen“-Argument:

https://twitter.com/MerkelMussGehen/status/689828969672241152

-> Verlinkung auf A4: Ablenkungsmanöver/Meta. Boshaftigkeit 5, Themenbezug 1, Sachlichkeit 4, Überzeugung 2.

…gegen das Hörensagen-Argument:

"Man du Depp es kostete 40-50 Milliarden in 2015 und wird dieses Jahr 60-70 Milliarden kosten was alles an Aufwand zusätzlich entsteht. Dies wird dir in Form von Steuern, weniger Infrastruktur, usw. wieder rausgesaugt."

(Originalquelle hinter dem Bild verlinkt)

-> B1:Hörensagen. Boshaftigkeit 3, Themenbezug 5, Sachlichkeit 2, Überzeugung 4.

…gegen Neidargumente:

"Unglaublich, da wird mal wieder am falschen End gespart. Die sollten besser erstmal bei den Dienstwagen sparen."

(Es ging um fehlende PC an einer Offenbacher Schule; Originalquelle hinter dem Bild verlinkt)

-> E4: Missgunst. Boshaftigkeit 4, Themenbezug 2, Sachlichkeit 1, Überzeugung 3.

…gegen Angriffe auf die Person:

"Noch so ein dummer Beifallklatscher."

(Originalquelle hinter dem Bild verlinkt)

-> C4: Ad Hominem. Boshaftigkeit 5, Themenbezug 1, Sachlichkeit 5, Überzeugung 3. (Und eigentlich ein unstrittiger Fall für eine Löschung: Beleidigungen sollten schon gar nicht stehen bleiben.)

Gegen das klassische „Derailing“…

"Die Flüchtline bekommen unser Geld in den Ar.... gesteckt und wir sollen alles zahlen ! Armes Deutschland !!!"

(Der Beitrag hatte kommunale Erschließungskosten zum Thema; Quelle hinter dem Bild verlinkt)

…also den Versuch, eine Diskussion in eine ganz andere Richtung zu quälen, gibt es leider keine Karte. Vielleicht am ehesten noch die hier: N1 Deutungshoheit; Bosartigkeit 3, Themenbezug 1, Sachlichkeit 2, Überzeugung 3.

Glanz und Elend

Alle rhetorischen Tricks des "Rhetorischen Quartetts" als ÜberblicksposterPerfekt ist das „Rhetorische Quartett“ nicht, zumindest nicht aus Sicht des Kommentarmoderators. Neben der „Derailing“-Karte fehlt mir vor allem die „Trollkarte“ für die absichtliche, anlasslose Provokation – und es sind, ganz ehrlich, dann doch ziemlich viele Karten, wenn man den Überblick bewahren will. Um schnell die unredlichen Kniffe in einer Diskussion zu identifizieren, ist das Überblicksposter besser, das die Macher auch anbieten. Ebenso schön gestaltet, und ebenso unterhaltsam und lehrreich.

Sehr hübsch ist auch die Variante als Bingo. Man zieht vier Karten, begibt sich in den Kommentarstrang eines beliebigen Flüchtlings-/Impf-/Gamergate-Posts und sucht. Der/die erste, der/die alle gezogenen Tricks nachweisen kann, gewinnt. Ein kluger Kollege von mir hat mal gesagt, Facebook-Kommentare solle man nur lesen, wenn man dafür bezahlt wird – so hat man wenigstens Spaß dabei. (Wenn ich dazu komme, mache ich mal ein Kommentarspalten-Spiel draus.)

Und was soll das bringen?

Wir wissen: es bringt nichts. Menschen, die sich in ihrer Meinung und ihrer jeweiligen Filterblase respektive Echokammer verpanzert haben, sind nicht zu erreichen – dafür sorgen ein paar fatale psychologische Mechanismen:

Die Aluhüte, Werwölfe und Lügennetzer werden wir nicht bekehren oder zum Nachdenken bringen – was dafür spricht, den Aufwand zu begrenzen – aber wenn wir ihnen das Feld überlassen, wirkt es sich ebenso fatal aus. Wissenschaftlich erwiesen: Negative Kommentare setzen den Ton – und sie beschädigen die Glaubwürdigkeit auch ansonsten makelloser Inhalte. Also müssen wir gegenhalten.

Our house, our rules.

30. Dezember 2015
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Komischer Angriff!

Und ich frage mich so: wen habe ich in letzter Zeit geärgert? Seit gut 24 Stunden wird dieses Blog angegriffen – von einem Skript, das automatisiert versucht, mein Passwort zu erraten. Nach einigen Versuchen sperrt die Sicherheits-Software das Blog für eine Zeit – und das Skript versucht es über eine neue Adresse auf irgendeinem kompromittierten Server in Russland, Kasachstan oder sonstwo wieder neu.

Screenshot Posteingang mit Warnungsmeldungen

Die Regelhaftigkeit und Beständigkeit des Angriffs zeigt: dahinter steckt Sach- und Fachkenntnis. Und sie ist völlig sinnlos, denn ohne überheblich werden zu wollen: bei der Geschwindigkeit ist das Passwort für mein Account frühestens in einigen Jahrtausenden erraten. Das Account übrigens hat nur eingeschränkte Rechte – außer neue Artikel verfassen kann man damit eigentlich nichts anstellen.

Und so ist der Angriff: technisch gut gemacht, in sich stimmig, präzise und – vollkommen sinnlos. Der Angreifer muss Volkswirt sein.

4. Dezember 2015
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Kommentarmoderation, Boss Level: „Ihr seid alle viel zu nett!“

"Sugarland Trolls" - Weingummi-Trolle in der Tüte. CC BY-SA Maik Meid

CC BY-SA Maik Meid/via flickr.com

Schwierige Kommentare schnell verschwinden lassen, damit sie das Klima nicht verpesten – oder engagiert dagegenhalten? Bis hin zur öffentlichen Bloßstellung – und auf die Gefahr hin, den Störern so genau das zu liefern, was wie wollen: Aufmerksamkeit? Sicher ist nur: es muss sich etwas ändern im Community Management. Das war Ziel eines hr-internen Workshops, den wir mit den Social-Media-Macherinnen im Haus meines Arbeitgebers organisiert haben: besser antworten können.
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14. August 2015
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Facebook-Patent zur Kreditwürdigkeit – ein falscher Link reist um die Welt

Schon spannend: Facebook hat ein Patent, mit dem sich – unter anderem – auch ein Index für die Kreditwürdigkeit des jeweiligen Nutzers berechnen lässt. Könnte also zu einer Art Über-Schufa werden.

Flowchart für die Beurteilung der Kreditwürdigkeit, Grafik aus der Facebook-Patentanmeldung

Kreditwürdigkeit im Social Graph: Grafik aus dem Facebook-Patent Nr. 9.104.493 vom 11.8.2015

Tolle Geschichte. Ausgegraben hat sie ein cleverer Patentanwalt, publiziert hat sie CNN Money.Und ich finde sie sehr spannend, weil ich mich gerade für das kommende Funkkolleg Wirtschaft mit der Macht der neuen Monopolisten Google, Facebook, Apple, Amazon beschäftige – und unter anderem die nicht ganz originelle These vertrete: die nächste Branche, deren Geschäftsmodell von ihnen umgekrempelt wird, sind die Banken. Aber das nur am Rande.

Zurück zum Originalartikel, zurück zum Handwerk. Die CNN-Leute haben nicht nur ganz altbacken aus dem Patent zitiert, sie haben – wie es sich für gute Netzjournalisten gehört – auf die Originalquelle verlinkt: auf dieses Patent. Dumm nur: da ist ihnen ein Fehler unterlaufen – das verlinkte Patent gehört zwar auch Facebook, beschäftigt sich aber mit einem technischen Problem beim Management einer Serverfarm. Das richtige Patent ist ein paar Klicks weiter, und zwar hier.

Nun wäre diese kleine Ungenauigkeit nicht weiter der Rede wert – aber der falsche Link ist wie eine ansteckende Krankheit: er ist bei allen, die das Thema angefasst haben, nachzuweisen. Zumindest bei denen, die ich auf die Schnelle gefunden habe:

Heißt: Von den vielen, vielen Netzjournalisten, die sich (zum Teil) sehr kundig mit der Meldung auseinandergesetzt haben, haben zwar viele den Link übernommen – vielleicht haben ihn einige sogar geklickt – aber niemand hat sich die Mühe gemacht, mit angeschaltetem Hirn auch nur die Überschrift der Originalquelle zu lesen: „System and method for cluster management“.

Und das gibt mir dann schon zu denken über die Standards meiner Branche.

(Hall of Fame: Die Welt hat zwar den Link nicht eins zu eins übernommen, hat selbst nach dem Link gesucht, zunächst ebenfalls einen kleinen Fehler gemacht, hat ihn aber anderweitig verbaselt.inzwischen korrigiert)