Jan Eggers

Das Interdings, soziale Medien, Journalismus und der ganze Rest.

6. Februar 2014
von Jan Eggers
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Das wichtigste Video, das Radiomacher in diesem Jahr zu sehen bekommen

Radio hat kein Problem? Radio bekommt ein Problem. Das Problem mit dem Radio heutzutage ist, dass es uns von unserer wahren Liebe fernhalten will:

Mobiltelefone sind für 26% der erwachsenen US-Amerikaner unverzichtbar, Sex für nur 20%.

Mobiltelefone wichtiger als Sex – diese verrückten Amerikaner… (Bild: Statista)

Nicht nur junge US-Amerikaner haben eine Liebesbeziehung zu ihrem Smartphone, das trifft auf die meisten jungen Mediennutzer auf diesem Planeten zu. Der BBC-Radio-1-Wellenchef Ben Cooper hat das begriffen. Und damit hat er auch ausgemacht, was seine größte Aufgabe ist: Wie bleibe ich als Radiomacher für die “Generation Kopf-nach-unten” relevant?

Mit keinem Gerät verbringen wir so viel Zeit wie mit unserem Smartphone, sagt Ben Coooper. “Wir reden mit unserem Telefon öfter als mit unserem Partner, wahrscheinlich berühren wir es sogar häufiger als unseren Partner!” sagt er seinen Zuhörern, den Besuchern einer Social-Media-Veranstaltung des BBC College of Journalism im vergangenen Oktober, und da das BBC College of Journalism öffentlich arbeitet (ein Ansatz übrigens, an dem sich meiner unmaßgeblichen Meinung nach auch wir kontinentalen Öffentlich-Rechtlichen ein paar dicke Scheiben abschneiden könnten),  können sich Radiomacher in aller Welt anschauen, wie die BBC dieses Problem nun angeht: relevant bleiben für die Mobile Natives.

Es ist das, meine ich, das zurzeit wichtigste Video für Radiomacher. Must-See Internets.
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29. September 2013
von Jan Eggers
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Die Goldene Liste – 11 Tools, die Journalisten heute kennen müssen

Goldenes Buch CC BY chatchavan via flickrBitte nicht weiterlesen – trotz des unwiderstehlichen 11-Punkte-Versprechens: es handelt sich um eine Seminararbeit. Entstanden im Seminar zur Zusammenarbeit in crossmedialen Teams, das ich für die ARD-ZDF-Medienakademie anbiete – aus dem verständlichen Wunsch der Teilnehmer heraus: ja, alles sehr schön mit dem Medienwandel, aber welches sind meine Werkzeuge? Ich habe daraufhin versprochen, meine ganz persönliche “Goldene Liste” vorzustellen von Netztools, die man meiner Meinung nach kennen sollte, wenn man im 21. Jahrhundert als Journalistin oder Journalist arbeiten will. Weiterlesen →

15. Juni 2013
von Jan Eggers
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In der Recherchehandwerkskammer

Eine Sache, die mich ordentlich nervös macht und auch ein wenig stolz: Heute fahre ich nach Hamburg zum Jahrestreffen des Netzwerks Recherche und stelle meinen 15-Minuten-Quellencheck vor, den ich aus diesem Anlass auf Version 2.2 poliert habe.

Wobei ich annehme, dass ich nach dem nr-Treffen einiges umarbeiten werde: Dort wimmelt es von erstklassigen Recherche-Handwerkern und journalistischen Alphatieren, und ich bin sehr gespannt auf Anmerkungen und Kritik.

Hier jedenfalls die Folien zum Vortrag in eigens erfundener Retro-Optik.

14. Mai 2013
von Jan Eggers
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Unter Beobachtung

Einerseits kann ich ja gut verstehen, dass Bars sich zur Google-Glass-freien Zone erklären – ebenso wie Kinos und Nachtclubs. Andererseits kann ich auch Kai Diekmann verstehen, dass er unbedingt so ein Ding haben wollte (wenn sie denn schon dem in Kalifornien hospitierenden Bild-Chef zwischenzeitlich Teile seiner Redaktion wegsparen). Ich auch! Weshalb ich auch nicht widerstehen konnte, mich auf der re:publica mit einem Google Glass auf der Nase fotografieren zu lassen; auf die Gefahr hin, von Leuten, die sich gefilmt wähnen, völlig zu Recht einen Eimer Eiswasser ins Gesicht zu bekommen. Auch wenn das mit dem Filmen leider nie funktioneren wird, wenn das Google Glass nur ein  Imitat aus dem 3D-Drucker ist.

I'm a cyborg, but that's OK: Google-Glaas-Imitat aus dem 3D-Drucker auf der re:publica 13 (Foto: www.schleeh.de)

I’m a cyborg, but that’s OK: Google-Glaas-Imitat aus dem 3D-Drucker auf der re:publica 13 (Foto: www.schleeh.de)

Keine Frage: Das Google Glass ist ein Will-ich-haben-Ding, das uns wieder ein kleines Würfelchen unbeobachteten Raums raubt. Die Frage ist eher: wie viel ist davon noch übrig. Am selben Tag, an dem ich das Foto ausfindig machte, habe ich mit meinem Smartphone einen ganz banalen QR-Code abgescannt. (Auf Fischstäbchen, um genau zu sein: ich wollte mal wissen, wieviel mir denn der Hersteller tatsächlich über die Herkunft der Panadepixel verrät.) Dafür habe ich die auf Mustererkennung spezialisierte App “Google Goggles” verwendet. Und mir dabei nichts Böses gedacht.

Minuten später sehe ich in der Benachrichtigungs-Zeile des Telefons ein mir unbekanntes Symbol. Es stammt von der “Goggles”-App: 2 Übereinstimmungen gefunden. Eine davon mit den Produkten eines für seine Blumenmuster bekannten finnischen Haushaltsartikelfirma – die App hatte das Muster auf dem Lätzchen meiner Tochter entdeckt. Auf einem Monate alten Foto.

Nun, beklag dich nicht, mündiger Kunde. Die Erlaubnis zum Zugriff auf die Kamera und damit auch die Foto-Bibliothek meines Smartphones habe ich der App erteilt. Einmalig, bei Installation. Dass das heißt, dass auch nicht mit Goggles gemachten Fotos auf einen Google-Server geladen und dort ausgewertet werden, muss mir wohl irgendwie entgangen sein. Ich bin nicht über die Maßen paranoid, aber dass Big Data Brother schon mit meiner Familie am Esstisch sitzt, hätte ich gerne verhindert.

Eine neuere Folge meiner BBC-Lieblingsserie “Doctor Who” hatte vor einiger Zeit ein Szenario, in dem die außerirdischen Bösewichte den Helden jederzeit verfolgen konnten – einfach weil sie Zugriff auf fast alle vernetzten, digitalen Kameras hatten. Die fast vollkommene Überwachung des öffentlichen Raums mit Servern und den Augen privater Kameras.

Ich fürchte allmählich, dass das kein Science Fiction mehr ist.