Jan Eggers

Das Interdings, soziale Medien, Journalismus und der ganze Rest.

14. Mai 2013
von Jan Eggers
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Unter Beobachtung

Einerseits kann ich ja gut verstehen, dass Bars sich zur Google-Glass-freien Zone erklären – ebenso wie Kinos und Nachtclubs. Andererseits kann ich auch Kai Diekmann verstehen, dass er unbedingt so ein Ding haben wollte (wenn sie denn schon dem in Kalifornien hospitierenden Bild-Chef zwischenzeitlich Teile seiner Redaktion wegsparen). Ich auch! Weshalb ich auch nicht widerstehen konnte, mich auf der re:publica mit einem Google Glass auf der Nase fotografieren zu lassen; auf die Gefahr hin, von Leuten, die sich gefilmt wähnen, völlig zu Recht einen Eimer Eiswasser ins Gesicht zu bekommen. Auch wenn das mit dem Filmen leider nie funktioneren wird, wenn das Google Glass nur ein  Imitat aus dem 3D-Drucker ist.

I'm a cyborg, but that's OK: Google-Glaas-Imitat aus dem 3D-Drucker auf der re:publica 13 (Foto: www.schleeh.de)

I’m a cyborg, but that’s OK: Google-Glaas-Imitat aus dem 3D-Drucker auf der re:publica 13 (Foto: www.schleeh.de)

Keine Frage: Das Google Glass ist ein Will-ich-haben-Ding, das uns wieder ein kleines Würfelchen unbeobachteten Raums raubt. Die Frage ist eher: wie viel ist davon noch übrig. Am selben Tag, an dem ich das Foto ausfindig machte, habe ich mit meinem Smartphone einen ganz banalen QR-Code abgescannt. (Auf Fischstäbchen, um genau zu sein: ich wollte mal wissen, wieviel mir denn der Hersteller tatsächlich über die Herkunft der Panadepixel verrät.) Dafür habe ich die auf Mustererkennung spezialisierte App “Google Goggles” verwendet. Und mir dabei nichts Böses gedacht.

Minuten später sehe ich in der Benachrichtigungs-Zeile des Telefons ein mir unbekanntes Symbol. Es stammt von der “Goggles”-App: 2 Übereinstimmungen gefunden. Eine davon mit den Produkten eines für seine Blumenmuster bekannten finnischen Haushaltsartikelfirma – die App hatte das Muster auf dem Lätzchen meiner Tochter entdeckt. Auf einem Monate alten Foto.

Nun, beklag dich nicht, mündiger Kunde. Die Erlaubnis zum Zugriff auf die Kamera und damit auch die Foto-Bibliothek meines Smartphones habe ich der App erteilt. Einmalig, bei Installation. Dass das heißt, dass auch nicht mit Goggles gemachten Fotos auf einen Google-Server geladen und dort ausgewertet werden, muss mir wohl irgendwie entgangen sein. Ich bin nicht über die Maßen paranoid, aber dass Big Data Brother schon mit meiner Familie am Esstisch sitzt, hätte ich gerne verhindert.

Eine neuere Folge meiner BBC-Lieblingsserie “Doctor Who” hatte vor einiger Zeit ein Szenario, in dem die außerirdischen Bösewichte den Helden jederzeit verfolgen konnten – einfach weil sie Zugriff auf fast alle vernetzten, digitalen Kameras hatten. Die fast vollkommene Überwachung des öffentlichen Raums mit Servern und den Augen privater Kameras.

Ich fürchte allmählich, dass das kein Science Fiction mehr ist.

24. April 2013
von Jan Eggers
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Breaking Non-News: Wie man im Krisenfall kühlen Kopf bewahrt

Die Nachrichtensender haben eine Handvoll Moderatoren und eine Handvoll Reporter. Die mögen glaubwürdig wirken, aber das Ganze ist weit davon entfernt, eine solide Recherchemaschine zu sein. Was die Nachrichtensender haben, ist ein Stall voll Producer. Deren Hauptjob ist, Experten und Kommentatoren heranzubaggern. Die mögen einen Ruf haben und geschminkt sein, aber im Prinzip raten sie nur herum.

“Broken News: How To Get Through A Major Cable TV News Event”, guardian.co.uk

Falschmeldungen über Verhaftungen, äußerst spekulative Opferzahlen oder – wie im Beispiel, das der Late-Night-Comedian Stephen Colbert aufspießt – die Hexenjagd auf Unbeteiligte: Die Anschläge von Boston haben gezeigt, wie hilflos viele Nachrichtenmedien im Zeitalter von Twitter agieren. Die Informationen sind da draußen, jeder twittert darüber – sollen wir also nicht auch darüber berichten? In dieses Dilemma geraten Online-Redaktionen spätestens dann, wenn sie ein Ereignis über einen Liveticker begleiten wollen, die Onliner-Version des 24-Stunden-Nachrichtenfernsehens.

Es gibt gute Argumente, die gerade in Breaking-News-Situationen für Ticker sprechen:

  • Es gibt eine starke Nutzer-Nachfrage nach Live-Tickern.
  • Die Berichterstattung mit Social Media anzureichern bietet einen echten Mehrwert – zumal der Nachrichtenstrom bei Twitter den Agenturmeldungen in manchen Belangen und Situationen klar überlegen ist.
  • Drittquellen und user-generated content erhöhen die Anzahl der Blickwinkel auf ein komplexes und unübersichtliches Ereignis.
  • Nutzer, deren Tweets und Kommentare eingebunden werden, fühlen sich ernster genommen – das steigert die Identifikation und die Glaubwürdigkeit.

Auf der anderen Seite stehen erhebliche Risiken:

  • Es ist praktisch unmöglich, keine Fehler zu machen – die Schwierigkeiten, Quellen in Echtzeit zu verifizieren, waren ja schon ausführlich Thema hier.
  • Es droht die Beliebigkeit: wenn der Ticker gegenüber dem automatisierten Nachrichtenstrom keinen Mehrwert bietet, haben die Journalisten wieder ein Stückchen Existenzberechtigung aufgegeben.

Nachrichtenregeln – etwa die Bedingung, dass zwei unabhängigen Quellen vorliegen müssen – helfen nur bedingt, wenn das Netz von Gerüchten schwirrt; Fehler werden trotzdem passieren; die Abgrenzung ist häufig schwierig: muss ich etwas zum Thema machen, einfach weil inzwischen sowieso jeder davon gehört hat, auch wenn ich es nicht verifizieren kann?

Die Unsicherheit zum Thema machen

Der folgende Vorschlag greift eine Anregung des Journalismus-Vordenkers Jeff Jarvis auf: es könnte helfen, Breaking-News-Seiten bauen, die von vornherein die Unsicherheiten in der Berichterstattung berücksichtigen und den Nutzern klar Aufschluss darüber geben, was man wissen muss – und was man nicht wissen kann.

Liveseite - oben Infokasten "Was wir wissen, was wir nicht wissen", Liveticker, Tabs für Hintergrundartikel und Quellen

Entwurf einer Breaking-News-Seite zu einem fiktiven Ereignis: schneller Überblick über die Fakten – und über die Lücken, Liveticker mit Einbindung von Drittquellen und user-generated content, Platz für Hintergrundartikel und Links zu Echtzeit-Quellen.

Der Mehraufwand gegenüber einem herkömmlichen Live-Ticker ist gering: Gepflegt werden muss der Überblickskasten und die Quellen-Liste; der Rest liegt ohnehin vor. (Überblickskästen zu Tickern sind natürlich nichts Neues: hier ein Beispiel der BBC aus dem Jahr 2011.)

Auf Social Media und Ticker ganz verzichten?

Accuracy is always supposed to trump speed in reporting, but it’s hard to be the last to report a major development.

Der Ex-CNN-Moderator Ali Velshi über Quellen, Gerüchte und Live-Nachrichten, qz.com

Soll man im Sinne nachrichtlicher Seriösität also nicht lieber strenge Informationsdiät pflegen? Wo wir doch wissen, dass Informationsschnipsel uns nicht klüger machen, sondern dümmer? Verzichten auf hechelnde Aktualität, auf Geräusch und Gerausch aus dem Sozialen Netz – verzichten auf kuratierende Ticker ?

Meiner Meinung nach hieße das: das Kind mit dem Bade ausschütten. Zum einen lösen große Nachrichtenereignisse bei uns ein schier unstillbares Bedürfnis aus, mehr zu wissen – deshalb funktionieren Liveticker so gut. Daran ist meines Erachtens nichts Verwerfliches, wenn wir Journalisten den Service leisten, den Nachrichtenstrom einzuordnen und Orientierung zu bieten. Ohnehin: der klassische Ansatz, auch online gewissermaßen in Zeitungsartikel-Form zu berichten, hat andere  gravierende Schwächen. Und als digitaler Journalist sollte man der Versuchung widerstehen, wieder einmal einen Gegensatz zwischen Profi-Journalisten einerseits und Stimmen von Nutzern im sozialen Netz zu konstruieren – und ehrlich sein: hat das nicht vielleicht doch auch damit zu tun, dass wir uns mit Kritik und Anregungen schwer tun?

Breaking News in Social Media

Social Media und herkömmliche Medien hängen voneinander ab: Der Programmierer und Designer Hong Qu hat für den Journalismus-Thinktank Nieman Lab die Nachrichten über die Anschläge von Boston analysiert. [Klick aufs Bild führt zum Quell-Artikel]

Online bietet sich die Chance, die blinden Flecken auszuleuchten, die Nachrichtenberichterstattung häufig hat: Nutzer sollen Orientierung bekommen, sie sollten benannt bekommen, was derzeit niemand wissen kann, und sie sollten erfahren, wie und aus welchen Quellen die aktuellen Nachrichten zustande kommen. Das ist, zugegebenermaßen, nicht vom Ticker abhängig – aber gerade beim Einsatz eines prozessjournalistischen Tools wie ScribbleLive oder Storify um so wichtiger.

18. April 2013
von Jan Eggers
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Wie hat Social TV im Radio funktioniert?

An der Idee vom Social-TV-Radio kann man seine Zweifel haben; ob die Sendung wirklich im Radio funktioniert hat, sollen besser die beurteilen, die sie gehört haben. Ich kann sagen, dass die Sache mit der Öffnung zu Hörern hin funktioniert hat: Die Rückmeldung “Ihr versprecht uns eine Tatort-Sendung, und dann hören wir nur Musik und Fußball, Fail” kam bei den Beteiligten sofort an. Und ich weiß: wir hatten eine Menge Spaß daran, auch – und gerade – die, die Social TV (und Radio) bislang nur aus der Theorie kannten.

Ein paar Highlights aus dem Chat – und Gesprächsrunden zum Nachhören – gibt’s hier bei hr1.

Blick ins hr1-Studio

Aus dem Tatort-Lounge-Studio: hr-Spielfilmchefin Liane Jessen liest Kommentare im Netz. Hinter dem Mikro versteckt: Moderatorin Daniella Baumeister (die auch einen Bildschirm mit den Kommentaren hatte), der Regisseur des Tatorts, Edward Berger, war über Leitung aus Berlin zugeschaltet und chattete nebenher mit.

Ansonsten verweise ich auf das, was @sanglier015 auf den Punkt gebracht hat (respektive auf sechs Punkte):

Um den Durchklick zu Twitlonger zu sparen, kopiere ich hier einfach mal dreist, was Mestre geschrieben hat:

Habe nur von nach 19 bis 20 Uhr gehört, weiß also nicht, was danach kam.

  1. Keine Registrierung zum Kommentieren erforderlich: gut (Anmeldung über z.B. Twitter fände ich auch OK)
  2. Auf Kommentare wird in der Radiosendung eingegangen: gut (ist ja letztlich auch Sinn der Sache)
  3. Nicht so gut: für meinen Geschmack zuviel Musik, teils sogar Fußball!, und zuwenig Tatort.
  4. Neben Tatort-Gucken kann man noch Twittern, gleichzeitig Radio hören ist eher schlecht. Der Erstausstrahlungstatort am Sonntag wird zwar danach noch 2x auf einsfestival wiederholt, wenn man “live mittwittern” möchte, muß man dies aber ab 20h15 tun.
  5. Wegen 3.+4. würde ich persönlich mir wünschen: VOR dem Tatort euer Radio intensiv zum Thema. Es gibt ja durchaus auch Hörspiele/-krimis, die eine Stunde lang am Stück gesendet werden, ohne zwischendurch Lieder zu spielen. Also z.B. von 19-20 Uhr (nach den Nachrichten) nur Tatort, so daß es sich lohnt zuzuhören. Weil die Leute dann zum TV-Tatort wechseln, kann es ab 20h15 im Radio dann gerne wieder viel Musik geben.
  6. Die Kommentarfunktion ist ja während der gesamten Zeit nutzbar, auch wenn man nicht Radio hört: gut.

FAZIT: Aus meiner Sicht noch Verbesserungsmöglichkeiten (wenn teils auch Geschmackssache), aber prinzipiell (auch wenn ich mal gemosert habe) eine tolle Sache! Ich hoffe, daß ihr das wieder macht. Danke!

An mir soll’s nicht scheitern :)

Nachtrag, 13. Mai 2013: Vortrag von mir auf dem Webmontag Frankfurt zu Social TV unter besonderer Erwähnung des Experiments “Social Tatort im Radio”.

11. April 2013
von Jan Eggers
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Was das nun wieder soll: Social TV im Radio!

 

Stimmt schon: man kann sich fragen, was das soll. Wieso eine Radiosendung für Tatort-Fans während des Tatorts? Also zu einer Zeit, wenn Tatort-Fans wirklich Besseres zu tun haben als Radio hören? Oder soll ich jetzt beim Fernsehen noch Radio hören? Und nebenher chatten?

Nun, der Ausgangspunkt ist klar: Social TV ist kein Orchideenfach mehr, Twittern, Surfen, Chatten beim Tatort wird Volkssport; keine andere Sendereihe hat im März derart viel Buzz erzeugt. (Gut unterrichteten Quellen im Interdings zufolge soll es sogar schon Menschen geben, die den Tatort nur via Twitter rezipieren, nach dem Motto: “Das bisschen Fernsehen, das wir brauchen, das machen wir uns selber“. Und ein wenig von dieser Dynamik und Dialogfreudigkeit wollten wir ins Radio ziehen – wenn wir schon mal Regisseur und das Tatort-Mastermind des Hauses im Studio haben.

Modern Electrics - By Electro Importing Company. See Catalog of Copyright Entries [1] [Public domain], via Wikimedia Commons

Die Macher im Studio, die Netznutzer am Tisch

So soll es funktionieren: Im hr1-Studio sitzen die Moderatorin und die hr-Tatort-Redakteurin Liane Jessen. Redakteur Edward Berger tummelt sich im ARD-Social-TV und ist per Leitung ins Studio geschaltet. Alle werfen einen Blick auf den Tatort-Livechat und können reagieren und antworten. Was die drei im Studio besprechen, hört wiederum unser Social-Media-Team und speist es in die Social-Media-Kanäle ein; das ist neben dem Livechat auf der ARD-Social-TV-Seite der Twitter-Feed @tatort.

Den “Teletwitter” für Neugierige und Second-Screen-Verweigerer gibt es natürlich auch wieder auf der Videotext-Seite 777.

Um es klar zu machen: Das Ganze ist ein großes Experiment – es soll auch gutes Radio dabei herauskommen, ebenso wie gutes Social TV. Ziel ist, dass jeder Kanal – TV, Social TV, Social Media und Livechat, Radio – für sich funktionieren muss, sich die Kanäle aber gegenseitig befruchten und einen Mehrwert bieten. Das kann immer noch in großes Chaos abgleiten – oder in eine Sendung, die unter Ausschluss der interessierten Öffentlichkeit vor sich hinplätschert. Oder der Idealfall: alle Beteiligten haben eine Menge Spaß daran.

Das Experiment kann scheitern. Aber das ist ja das Schöne am Radio.

8. März 2013
von Jan Eggers
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Das neue Facebook-Design: Abschied von der Linkschleuder

Wieder einmal alles anders: Facebook hat den Newsfeed neu entworfen, den Nachrichtenstrom, den der Nutzer gleich nach der Anmeldung sieht. Und wie immer hat das auch Folgen für die Facebook-Strategie einer Redaktion.

facebook-before-after-photo

“Think about your visuals”

Ganz neu ist die Erkenntnis nicht: Starke Fotos rocken. Wie Mark Zuckerberg bei der Vorstellung des Newsfeeds betont, ist der Anteil von Fotos in den Facebook-Strömen im letzten Jahr deutlich gewachsen. Im November 2011 machten sie etwa ein Drittel aller Fotos aus, inzwischen sind etwa die Hälfte aller Facebook-Posts Fotos. Und dann ist da noch die Neuerwerbung Instagram – die starken Smartphone-Momente, dank digitaler Patina auch optisch opulent, sollen ihre volle Wirkung entfalten.

Das neue Design stellt Bildreize in den Vordergrund; Fotos werden größer und dürfen ungleich stärker wirken. (Tipp für einen Selbstversuch – eine beliebige Bildergalerie im Angebot der Tagesschau – und dann ein “Big Picture”-Fotoessay des Boston Globe ansehen. ) “Das ist, also ob Du Deinen 20-Zentimeter-Trinitron-Röhrenfernseher gegen einen Großbildschirm eintauschst”, sagt einer der Entwickler im Facebook-Promo-Video.

Nun war das früher schon eine ganz gute Taktik: statt eines Links auf einen Artikel ein Foto zu posten und den Link in den Beschreibungstext zu schmuggeln. Sie dürfte jetzt Standard werden; mal sehen, wie lange Facebook sich das gefallen lässt. Auch das Titelbild dürfte an Bedeutung gewinnen: bisher war es eine Angelegenheit, die nur Marketing-Menschen so recht glücklich gemacht hat – der Durchschnittsfacebooker bekam das Titelbild dagegen genau einmal zu sehen, nämlich beim Klick auf “Gefällt mir”. Jetzt landen Titelbilder deutlich häufiger im Newsstream, nicht nur bei den paar cleveren Seiten, die sie regelmäßig auswechseln.

So wird ein Link in Zukunft angezeigt: quadratisches Vorschaubild, größer als das, was wir jetzt haben, aber vergleichsweise klein – mit der Tendenz, zwischen all den großformatigen Bildern zu verschwinden.

Nur mit Links und den automatisch gezogenen Vorschaubildern zu arbeiten, wird dagegen immer unattraktiver – die Vorschaubilder zu Artikeln bleiben im Vergleich klein. Mit etwas Glück behandelt der Artikel, das der Facebook-Edgerank im jeweiligen Newsfeed als trendendes Thema ausgemacht hat, ansonsten werden Teaser und Vorschau im direkten Vergleich noch unattraktiver, als sie es ohnehin schon sind. Linkschleudern waren früher schon keine uneingeschränkt gute Idee. Mit der Ankunft des neuen Newsfeeds sollte man sich endgültig von ihnen verabschieden.

Gefahren für die Sichtbarkeit

Wer bei Facebook gesehen werden will, muss zahlen – nicht nur der NYT-Blogger Nick Bilton wirft Facebook vor, Seiten-Anbieter gezielt in die Facebook-Werbung zu treiben. Tatsache ist: Der Edgerank, Facebooks Coca-Cola-Formel, macht es Marken vergleichsweise schwerer als früher, gesehen zu werden. Aus Nutzersicht ist das auch nicht unbedingt eine schlechte Sache (wie hier bereits diskutiert), aber logisch, dass die Betreiber von Markenseiten nervös werden, wenn sich wieder etwas ändert.

Das neue Feed-Design scheint mir die Kritik zu entschärfen – und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass der Druck steigt, tatsächlich Werbung zu schalten. Schließlich macht das neue Design es den Nutzern deutlich einfacher, auf den “Nur Freunde”-Feed umzuschalten und den ganzen Content-Kram von mitteilungsbedürftigen Stars, Lebensmittelkonzernen und Medienhäusern einfach auszublenden. Angst, dass man was verpasst, muss man nicht haben - if the news is important, it will find me.

Kann aber auch sein, dass das die Ausnahme bleibt. Der Edgerank-basierte Newsfeed bleibt Standardeinstellung, und Nutzer sind tendenziell faul. Aber wenn jemand die Filter erst einmal entdeckt hat, werden sie default: “Facebook will sort the feeds according to how much they use them”, kündigt Facebook an (bei ca. 19:30).

Profilbild, Titelbild, Tabs: Prepare for the unexpected

Ob sich auch wieder einmal etwas am Design der Chronik bzw. der Seiten ändert? Es steht zu vermuten. Vielleicht mal ausnahmsweise nicht von einem Tag auf den nächsten.

Siehe auch: