Jan Eggers

Das Interdings, soziale Medien, Journalismus und der ganze Rest.

Archiv für die Kategorie ‘Blog’

“Üben, beten und Reserven haben”: Wie Techblogger livebloggen

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Hochinteressanter Artikel im Journalismus-Think-Tank Nieman Lab: Anlässlich der Vorstellung des neuen iPad hat ein Reporter dem Tech-Blog Gizmodo dabei zugesehen, wie es sich auf dieses Ereignis vorbereitet. Und daraus lässt sich eine wunderbare Checkliste ableiten, wie man sich tunlichst auf Streamjournalismus vorbereite:

  • Ein Team bilden. Neben den eigentlichen Livebloggern besteht dies bei Gizmodo aus Poolreportern, die vorbereitetes Material aufarbeiten – dazu gleich mehr – und Flankenschutz: Gizmodo versucht, so viele Kollegen wie möglich für das Apple-Event zu akkreditieren, um gewappnet zu sein.
  • Material vorbereiten. 95% des Hintergrundmaterials ist vorgeschrieben und wird nur kurz überarbeitet, ehe es parallel publiziert werden kann – im Beispielfall Apple werden im Prinzip Erzeugnisse der Gerüchteküche aufgewärmt.
  • Tools für reibungslose Medien-Uploads einrichten. Die Blogger verwenden viel Hirnschmalz darauf, Kameras und auch Reporter-iPhones so mit ihren Rechnern zu vernetzen, dass sich Bilder, Filme und Töne ohne viel Aufhebens direkt hochladen und einbinden lassen – ohne dass jemand sie von Hand anpassen muss.
  • Trainingsläufe. Wenn das Team steht, organisiert und seine Werkzeuge kennt, wird geübt – mit einem Video vom letzten Jahr in Echtzeit.
  • Eigene Erzählhaltung entwickeln. Die Persönlichkeit der Live-Blogger prägt das Produkt.
"Da hat sich unser Live-Ticker gerade verabschiedet. Und wir haben die ganze Zeit ins Leere geschrieben." ifun.de hatte aber einen Plan B - und so konnte es weitergehen.

Und da war CoverItLive weg - ifun.de hatte aber einen Plan B.

 

Ein letzter Punkt ist auch wichtig: einen Plan B haben. Kostenlose Werkzeuge wie Storify – oder Twitter – fallen unter Last schon mal aus. Selbst teure Profi-Werkzeuge wie CoverItLive können aus irgendwelchen Gründen wegfallen, wie es offenbar den Livebloggern von ifun.de passiert ist.Und selbst der Chef des Konkurrenten ScribbleLive (den wir beim hr übrigens auch einsetzen) hat das Mantra “Üben, beten, Reserven haben”.

 

Autor Jan Eggers

9-03-2012 um UTC13:57

Trick 17: RSS-Streams filtern für den Rest von uns

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CC BY-SA Alpha Six (via flickr.com)

RSS-Feeds sind eine feine Sache, wenn man ein Thema im Blick behalten will: Die einschlägigen Blogs und News-Seiten sind in Minuten abgegrast. Sobald man relevante Quellen erst einmal erschlossen hat, ist das ein echter Zeitsparer – nur würde man mitunter gern noch ein wenig mehr sparen: Wenn dieses Interdings schon die Infos liefert, soll es bitte auch ein wenig damit arbeiten.

Beispiel aus einem Webrecherche-Seminar von mir: Ein Teilnehmer bastelt sich eine Feedreader-Seite rund um die Banken-Rettungspakete und die EZB. “Ich habe eine Quelle”, sagt er und verweist auf das Besserwisser-Blog The Intelligence und seine Wirtschafts-Rubrik. Und natürlich bietet Intelligence einen Feed an – für das Gesamtangebot, nicht nur für die Wirtschaftssparte. Was heißt, dass mein Seminarteilnehmer auch Ankündigungen für mäkelige Fernsehkritiken und verschwurbelte Esoterik-Essays bekommt – und die braucht er nicht. “Kann man da nicht was machen?”

Richtige Frage, knappe Antwort: lass uns suchen. Und gemeinsam (danke, Oli!) haben wir einen ganz netten Dreh entwickelt – sogar zwei. Beide haben den Vorteil, dass sie nicht besonders viel Geektum voraussetzen – und flexibel anzupassen sind.

  • Möglichkeit 1: Den Dienst page2rss nutzen. Diesem Dienst kann man die Adresse einer beliebigen Seite übergeben – in unserem Beispiel: der Wirtschafts-Rubrik von Intelligenceund bekommt einen Feed zurück, in dem ab jetzt alle neuen Artikel auf dieser Seite vermeldet werden. (Das Bonusfeature ist uns auch erst im zweiten Durchgang aufgefallen: Mit einem Klick kann man diesen Feed sogar direkt im Google-Reader oder bei Netvibes importieren – oder ihm sogar bei Twitter folgen.)
  • Möglichkeit 2: Eine Blogsuchmaschine als Filter. Mein augenblicklicher Favorit ist – seit einigen unerfreulichen Erfahrungen mit Icerocket – die aus schwedischer Fertigung stammende Blogsuche Twingly. Und auch Twingly kann Feeds – und versteht ein wenig Google-Syntax: Mit dem Suchstring “EZB site:theintelligence.de bekommen wir gezielt die Treffer aus diesem Blog zu unserem Thema – und können den entsprechenden Feed in den Reader unserer Wahl importieren. (Ginge natürlich auch mit Google Alerts, aber Google ist – prinzipbedingt – langsamer, außerdem fiele Twinglys Relevanz-Sortierung weg.)

Richtig die Ohren gespitzt haben meine Seminarteilnehmer übrigens, als ich ihnen ein Filter-Beispiel mit Yahoo Pipes gezeigt habe - mit der Vorbemerkung: “Das ist jetzt nur was für Nerds, aber…” Da habe ich mich aber tüchtig verschätzt: Vehement haben sie ein Erste-Schritte-Tutorial für einfache RSS-Feed-Filter mit Pipes eingefordert.

Bitteschön: kommt morgen!

Autor Jan Eggers

1-03-2012 um UTC17:13

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Fragen über Fragen: Die Timeline für Seiten bekommt man nur auf Englisch erklärt

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Nun gut, die Spatzen hatten es ja von den Dächern gepfiffen, aber so recht hatte ich es nicht glauben wollen, dass Facebook mal wieder ohne Vorankündigung ein neues Feature frei schaltet – und alles rotiert: Die “Timeline”, also die Chronik – das neue Design jetzt auch für Seiten, nicht nur für Profile.

Ab sofort, ohne Vorliegen von Voraussetzungen. (Und ab Ende März wird aus der Möglichkeit Pflicht.)

Hektische Aktivität also allerorten rund um meinen Arbeitsplatz: Heißt das, dass wir in Zukunft keine Möglichkeit mehr haben, die Nutzer mit einer “Landing Page” zu begrüßen, also beispielsweise einem Teilnahmeformular für ein aktuelles Gewinnspiel? (Das scheint tatsächlich so zu sein.) Müssen wir jetzt mit den komischen Symbolbildchen für unsere Netikette-Seiten leben, die ein App wie Woobox mitbringt? (Nein, müssen wir nicht: Wenn man die Seite bearbeitet, sich dann zu “Anwendungen” durchklickt und dann “Einstellungen bearbeiten” aufruft, erscheint ein Popup-Fenster, in dem man die Möglichkeit bekommt, das Reiterbild zu ändern – zumindest bei einigen Apps wie eben Woobox oder Static FBML.)

Fragen über Fragen also. Und es gibt auch einen interessanten “Product Guide” dazu – und eine schöne FAQ dazu von Facebook. — Nein, es ist kein kaputter Link, den ich hier gepostet habe: derzeit bekommen deutschsprachige Benutzer einen Fehler angezeigt. Wer die Sprache seines Facebook-Nutzerkontos auf “English (US)” umgestellt bekommt, bekommt auch die FAQ.

Da das ziemlich nervig ist, war ich so frei, eine Kopie der Seite herunterzuladen – ihr findet sie hier: Introducing New Facebook Pages – FAQ. Oder hier als PDF ohne weiterführende Links. (Ich hoffe, dass Facebook über diesen etwas saloppen Umgang mit seinen Inhalten gnädig hinwegsieht.)

Nachtrag: Oder man geht einfach zur deutschen FAQ bei Thomas Hutter.

Autor Jan Eggers

29-02-2012 um UTC17:59

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Wenn der Koch seinen Löffel nicht kennt – Quellencheck-Tipps jetzt mit CC-Lizenz

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Ich habe mir wirklich nichts dabei gedacht, als ich in meinem Twitter-Workshop Dokumente nicht nur verteilt habe, sondern – natürlich – auch getwittert.  In diesem Workshop mit Kollegen aus der Nachrichtenredaktion haben wir über den Umgang mit Twitter- und sonstigen Netzquellen diskutiert. Nun haben Online-Redakteure zwar in der Regel ein ganz gutes Gefühl für den Umgang mit zweifelhaften Quellen – Ausnahmen bestätigen die Regel – aber etwas Systematik kann ja nie schaden.

Angestoßen von einem Konzept von Marcus Lindemann hatte ich für ein anderes Training schon mal einen Handout mit einem “15-Minuten-Quellencheck” vorbereitet – der passte perfekt, also habe ich den in meine Dropbox geworfen und per Twitter an die Workshop-Teilnehmer weitergegeben:

@JanEggers: Tipps zum Quellencheck: #hrtw http://dl.dropbox.com/u/17606736/Twitterworkshop/15-Minuten-Check.pdf

Und so peinlich es für den hauptamtlichen Social Media Manager ist: ich habe schlicht nicht daran gedacht, dass das jemand anderen interessieren könnte – aber so war es: Der Link wurde eifrig retweetet. (Danke @st_armbruster, @dennishorn, @huwendiek und viele andere!)

Hätte ich daran aber gedacht, hätte ich das Dokument um ein paar sprachliche Ecken und Kanten bereinigt, mit einer ordentlichen CC BY-SA-Lizenz versehen und auf meinem Server hinterlegt – was ich jetzt nachgeholt habe [PDF-Download]. Vielleicht kommt ja auf diesem Weg noch der eine oder andere Verbesserungsvorschlag zu mir.

re: Faktencheck…

Der ehrwürdige Beruf des Faktencheckers bekommt neuen Schwung: Der Standard hat in einem Artikel zusammengefasst, wie Crowdsourcing-Plattformen zur Konkurrenz und zu Partnern der traditionellen Dokumentare und Faktenchecker erwachsen – und erwähnt dabei leuchtend Vorbilder wie das “Truth-O-Meter” im Verein mit reinen Konzepten wie Corrigo. Für diejenigen unter uns, die weder über eine entsprechende Plattform noch über eine Dokumentationsabteilung gebieten können: Der “Journalist“-Artikel von Marcus Lindemann über die 10 großen Fallen beim Faktenchecken ist es wert, dass man sich ihn hinter den Schminkspiegel klemmt.

Autor Jan Eggers

9-02-2012 um UTC16:20

Warum ich nicht mehr wandelte auf dem Path der Gerechten

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Auch wenn Path gerade immer noch die Belle du Jour in den Social-Media-Salons ist: ich werde das Netz und alle seine Apps wieder von meinen Geräten verbannen. Und in die Ecke zu Quora und den anderen alten Spielzeugen stellen. Und trotzdem habe ich etwas Wichtiges von Path gelernt, aber dazu später mehr.

Die Vorgeschichte: Path versprach mir, wieder einmal, ein leichteres Leben ohne #socialmüdia.  “Keine Sau will mehr zu Facebook, da ist es inzwischen zu voll”, hatte Techcrunch-Gründer Michael Arrington gepoltert (und nur wenige hatten im aufbrandenden Beifall bescheiden darauf hingewiesen, dass der Mann als Investor ja seine unkeuschen Interessen an Path hat).

Elegant beschränkt – oder kastriert?

Path-Screenshot vom Android-Handy: Man benutzt das Netzwerk, wie man ein Telefon benutztDie Eleganz liegt bei Path in der Reduktion aufs Wesentliche, und das heißt zuerst einmal: Die Anzahl der möglichen Kontakte ist auf 150 beschränkt – auf die “Dunbar-Zahl” also; jene angebliche Obergrenze für die Größe von Gruppen, ab der unser Gehirn den Überblick verliert. Reduce to the max – auch beim persönlichen Netzwerk.

Leider läuft das bei mir komplett ins Leere – ich begegne bei Path nicht meinem engsten, höchstpersönlichen Umfeld, also den wichtigsten 150 Menschen in meinem Leben, sondern demselben Netzvolk wie bei Google+ und Twitter. Die nun wieder sehr aktiv sind – und da Path die unangenehme Eigenschaft hat, seine eigenen Mitteilungen für äußerst wichtig zu halten und per Voreinstellung in die Benachrichtigungen meiner Mobilgeräte zu schießen, setzen nun die zahlreichen Stationen des ebenso regen wie geschätzten Kollegen @roquane den Gebrauchswert von Pad und Phon massiv herab.

Nebenbei halte ich das Konzept für fragwürdig. Dunbar schön und gut, aber der Ansatz spricht dem anderen Säulenheiligen der Social-Media-Soziologie hohn: dem ollen Mark Granovetter, der ja herausgefunden hat, dass es gerade die nicht so dolle engen Freunde sind, mit denen man sich nutzbringend vernetzt. Wurde ja von interessierter Seite gerade mit Befunden unterlegt. Vom eben so ollen Metcalfe und seinen drögen Überlegungen zum Nutzen eines Netzwerks, der mit der Anzahl der Nutzer steigt, mal geschwiegen. Mir drängt sich der Verdacht auf: Die Dunbar-Zahl ist eine bequeme Rechtfertigung, um sich nicht mit der Frage herumärgern zu müssen, wie man denn das wirkliche Leben am besten in einem sozialen Netz abbildet – mit all seinen abgestuften Netzwerken, Gruppen, Vereinen, Kreisen, Listen oder wie auch immer man die Dinger nennen mag.

Die mobile Essenz

Und doch sollte man sich Path unbedingt angesehen haben – die Eleganz und Konsequenz, mit der das Netz nutzbar ist, ist aller Ehren wert. Das liegt daran, dass Path ohne Wenn und Aber auf mobile Nutzung zugeschnitten ist. Man nutzt Path so selbstverständlich, wie man ein Telefon nutzt – das Smartphone wird auf einmal zum selbstverständlichsten Tagebuch des eigenen Weges. Es gibt noch nicht einmal mehr einen  Webzugang für Desktop-Nutzung. Und wer einmal Path genutzt hat, kommt nun wirklich nicht mehr in Versuchung, sich mit Foursquare abzumühen – es sei denn, man ist wirklich sehr scharf auf die virtuellen Pokale.

Die Path-Macher haben eine aktuelle Erkenntnis konsequent umgesetzt: Social Media 2012 ist mobil – und damit auch immer ortsbezogen. Und auch wenn mich das Konzept insgesamt nicht überzeugt: dieses Gestaltungsprinzip wird uns bleiben.

Autor Jan Eggers

25-01-2012 um UTC10:30

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