Demo ohne Ende
Schön war es heute im Philosophikum I der Universität Giessen. Habe ja selbst dort studiert… alte Gesichter gesehen, “Wir kennen uns doch, wer bist Du nochmal” usw, pure Nostalgie. Die Cafeteria hat jetzt besseren Kaffee (fair!), man zahlt mit Plastikkarten, nicht mehr mit Bargeld und es gibt eine Kinderecke mit Rutsche. Sonst alles wie gehabt. Schön eben.
Für uns war das heute der Auftakt zu einer Reise durch die hessischen Hochschulen, am Montag werden wir an der FH Frankfurt sein. Für die Uni Giessen heute war es ein beeindruckendes Jubiläum - 400 Jahre universitäres Leben in Giessen. Da darf man schonmal stolz sein.
Vermutlich hätte sich Stefan Hormuth, der Präsident der JLU Giessen, deshalb einen anderen Empfang gewünscht, als er am Nachmittag die Jubiläumsrede auf dem Brandplatz in Giessen halten wollte. Genau 400 Jahre und auf die Stunde genau nach der Gründung der ersten Uni 1607. Der Platz war voll mit wartenden Menschen, darunter auch rund 70 Demonstranten, darunter wiederum eine Handvoll Demo-Clowns. Als Hormuth begann, begann auch das Pfeifen, Trommeln und die Sprechchöre… Seit vergangenem Jahr demonstrieren Studenten gegen die Studiengebühren, die seit diesem Semester fällig werden. 500€ pro Nase pro Semester.
Hormuth hielt durch, mehr schlecht als recht. Die Studenten übertönten ihren Präsidenten, mehr schlecht als recht.
Anfangs hatte ich Sympathie für die Demonstranten. Klar, Studiengebühren sind happig. Und es geht ja nicht nur um das Geld, es geht auch darum, inwieweit oder wie stark eine Universität privat finanziert werden darf oder sollte. Die Demonstranten sind strikt dagegen. Also lautstark protestieren, ok.
Aber nach den ersten 5 Minuten Pfeifkonzert schwand die Sympathie. Nicht nur bei mir, auch bei einigen Zuschauen. Ein Demo-Clown hielt Hormuth einen Staubwedel über den Kopf, Hormuth schubste ihn zur Seite, die (demonstrierende) Menge grölt. Die regionalen Medienvertreter schossen dutzende von Bildern. Alles im Kasten. Medienwirksame Demo, gut und frech organisiert. Was will man mehr? Aber sie hörten nicht auf.
Geschickt demonstriert, aber ungeschickterweise kein Ende gefunden. So verliert man die Unterstützung der Bürger. Falls das bei den Studenten ein Thema ist.

