Archiv für September 2007

Birma, Börma, Burma - wie heißt denn nun Myanmar?

Samstag, September 29th, 2007

Gar nicht so einfach: benutzt man für jenes kleine, hart geprüfte Land zwischen Thailand, Indien und China den von der Junta durchgesetzten Namen “Myanmar”, der bei vielen nur Schulterzucken auslöst, oder den in Europa gewohnten Namen - das Wort der ehemaligen Kolonialherren? (Wobei das Extra-Problem auftaucht, dass die Briten von “Burma” gesprochen haben, was aber in deutschen Ohren wie “Börrma” klingt und somit wieder mit “Birma” ganz gut transkribiert ist.) Die Kollegen der Tagesschau haben dieses Problem in ihrem Blog angesprochen und damit ein so heftiges Blogosphärenrauschen erzeugt, dass sie nachlegen mussten.

Fakt ist: Das ewige Hin und Her zwischen Birma, Burma und Myanmar hat immerhin eins erreicht: Verwirrung. Deshalb hat sich der HR einer Regelung angeschlossen, die sich mehrheitlich durchgesetzt hat: einheitlich von Birma zu sprechen. Was nicht ausschließt, dass man gelegentlich ein “…das heutige Myanmar” o.ä. ergänzt.

(more…)

 
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Schaum

Donnerstag, September 27th, 2007

Jan Eggers hatte erst kürzlich über sie geschrieben gepostet, die Sprache der Wichtigkeit mit all ihren Kick-Off-Veranstaltungen, Team-Findungs-Klausuren, Get-Togethers und Impulsreferaten.
Genutzt hat es nichts.

Medienworkshop bei der Deutschen Bahn AG. Hartmut Mehdorn (ja, der schon wieder) führt aus, wie klar die Bahn das Auto auf der Destination Berlin-Hamburg “outperformt”.
Outperformt. Wer denkt sich sowas aus?

Vergangene Woche auf meinem Schreibtisch - die Einladung zu einem Pressetermin des Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V.: „Die diesjährige vom Kompetenzzentrums Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. vorgelegte Sonderauswertung “Gender & Diversity” des (N)ONLINER Atlas 2007, einer jährlichen Untersuchung von TNS Infratest und der Initiative D21 zur Internetnutzung in Deutschland, legt ihren Schwerpunkt der Analyse auf die Entwicklung in den Bundesländern im Fünfjahresrückblick.“
Hallo? Geht’s noch?

Die Filterfunktion des Journalisten ist vielleicht doch manchmal ganz nützlich. Vor allem für den Journalisten. Der hat sich neulich eine elektrische Zahnbürste kaufen wollen. Mit programmierbarem “Quadpacer”. Dem “30-Sekunden-Intervall-Timer” für eine gleichmäßige Reinigung der vier “Kieferquadranten”.
Filter ein: das Ding piept alle 30 Sekunden. Irre.

 
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Wir rufen an, wenn der Dalai Lama kommt!

Mittwoch, September 26th, 2007

Ich bin neu in der Redaktion. Ich war 5 Jahre auf dem Balkan und in Österreich unterwegs, als Südosteuropa-Korrespondent für die ARD-Hörfunksender. Vieles ist jetzt neu für mich, im Frankfurter Funkhaus und in der Redaktion von hr-iNFO. Da fällt mir manches auf, was die “eingesessenen” Kollegen in ihrer Alltags-Routine nicht mehr bemerken oder schnell wieder vergessen.

Da war zum Beispiel dieser Anruf von Frau K. aus Mainz. Sie höre hr-iNFO, sagte Frau K., und und sie wolle gern wissen, wann wir denn wieder über den Dalai Lama berichten. “Das wissen wir noch nicht, der Besuch ist ja vorbei”, ließ ich der Frau K. ausrichten. Die freundliche Kollegin am Schreibtisch neben mir, bei der Frau K. angerufen hatte, gab die Botschaft weiter. Frau K. war damit aber nicht zufrieden. Ob wir sie nicht anrufen könnten, wenn wir wieder über den Dalai Lama berichten. Natürlich haben wir Ihre Nummer notiert, liebe Frau K. Und wir haben uns auch wirklich vorgenommen, Sie anzurufen. Aber wir haben in den nächsten Stunden nicht mehr über den Dalai Lama berichtet, der ja bereits aus Deutschland abgereist war. Und das heißt im gnadenlosen Geschäft einer aktuellen Redaktion: Das Thema ist vom Tisch, vorbei und vergessen. Das ist natürlich schade, aber so ist es.

Als Korrespondent habe ich oft darunter gelitten. Ich habe stundenlang mit Albanern und Serben im Kosovo gesprochen, um dann in einem Drei-Minuten-Gespräch die Frage (nicht) zu beantworten, wie denn deren Konflikt zu lösen sei. Ich habe mit faszinierenden Menschen in fremden Ländern gesprochen, die bei weitem weniger bekannt sind als der Dalai Lama. Viele würden es verdienen, dass man sich mehr mit ihnen beschäftigt, von ihnen erzählt und im Radio von ihnen hört. Aber wenn sogar der Dalai Lama nach einem Tag schon wieder von unseren Redaktions-Schreibtischen verschwindet… Zum Glück können wir es uns im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ja leisten ab und zu eben DOCH auch über Menschen und Dinge zu reden, die gerade keine Schlagzeilen machen. Nicht immer in den aktuellen Nachrichten, da wollen schließlich alle das Neueste hören. Aber in unseren Hintergrundsendungen, oft abends und am Wochenende. Für die Menschen, die da Zeit und Muße haben, sich auf Themen mit Tiefgang einzulassen.

Liebe Frau K.: Wir versprechen Ihnen, wir werden wieder über den großen Dalai Lama berichten und wir werden auch über all die kleineren Helden des Alltags aus Hessen und aller Welt berichten, die in den bunten Schlagzeilen der Skandalblätter (und –sender) keinen Platz bekommen. Wir können Ihnen aber nicht versprechen, dass wir sie jedesmal anrufen. Einfach ab und zu hr-iNFO einschalten…

 
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Deutschland, Deine Dienstwagen

Montag, September 24th, 2007

Pünktlich zum Abschluss der IAA folgende Agenturmeldung für Euch: “Firmenwagen: So groß wie möglich / Spar-Modelle sind bei Vertriebsleuten nicht gefragt!”

Der Anteil gewerblich zugelassener Fahrzeuge ist 2007 im Vergleich zum Vorjahr von 52,5 Prozent auf 62,4 Prozent gestiegen. Nach einer Umfrage der Personalberatung Xenagos sind nach wie vor grosse und luxuriöse Marken gefragt. Vor allem VW, Japaner überhaupt nicht. Firmenfahrzeuge sind in den meisten Fällen ein Teil der Vergütung. Bei Xenagos sind 72 Prozent aller offenen Jobs mit einem Firmenwagen ausgeschrieben. “Das ist eine deutsche Spezialität”, kommentiert Xenagos-Geschäftsführer Christopher Funk. “In ausländischen Firmen findet man die starke Bedeutung der Firmenfahrzeuge sehr merkwürdig.” ….

Was meint Ihr dazu? Hat der deutsche “Executive” einen besonderen Hang zur Uniformität? Wollen Manager wirklich lieber eine Karre statt Cash? Warum? Hat jemand schonmal ein Geschäft nicht gemacht, weil er mit dem falschen Wagen vorgefahren ist, einem Toyota, einem schicken Golf oä? Ist es peinlich mit dem ICE zum Geschäftstermin zu fahren? Ich als freier, öffentlich-rechtlicher Journalist hab solche Probleme nicht, bin ich ein Aussenseiter?

 
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Nur Felgen statt Frauen

Donnerstag, September 20th, 2007

Wieviele Fotos sind hier eigentlich gemacht worden? Rund eine Million Besucher werden bis Sonntag die Autos bestaunt haben (und die Frauen, die davor posieren). Wenn nur jeder Dritte eine Kamera dabei hat und, sagen wir, 50 Fotos gemacht hat, dann wären das - 333333 Besucher mal 50 gleich - 16 Millionen 666 Tausend 650 Fotos. Aber da jeder sein Handy dabei hat und damit wie wild herumschießt, ausserdem nicht zu vergessen, die vielen Pressefotos aus den ersten drei Tagen… 50 Millionen? 100 Millionen? Wer weiss.
Über die Motive kann man streiten. Nur die Autos zu fotografieren, das ist einfallslos. Viel mehr herausholen kann man, wenn man Details ablichtet. Habe Asiaten gesehen, die Kühlergrills, Türöffner, Zahnräder oder Scharniere fotografiert haben. Es waren viele. Die können nicht alle Werksspione aus China sein. Oder doch? Einer kam an unserem kleinen Wohnwagen vorbei, in dem wir unsere Arbeitsplätze haben. Er blieb stehen, befingerte die Anhängerkupplung und machte ein Foto von ihr. Dann verschwand er in der Menge. Echte Leidenschaft.
Gar niemand scheint sich für die wirklich schönen Frauen zu interessieren, die vor den Autos und in den Autos sitzen und posieren. Auch wenn ein Horde Männer mit Handy und/oder Kamera bewaffnet eine glamourös wirkende Frau im kleinen Schwarzen mit braungebrannten langen Beinen zu fotografieren scheint. Knips. Knips. Das täuscht! Ein großer Irrtum! Fast alle haben es mir bestätigt. Keiner findet Frauen vor den Autos wichtig. Voll überflüssig. Frauen? Ne.
Hier einige Äußerungen: “Geht nur umsch Design, um die Technik. Die Frau sitzt halt zufällig drin.” ODER: “Nicht die Frau! Nur das Auto! Ehrlich!” oder “Das Auto, die Felge, isch echt geil”. Hätte ich wirklich nicht gedacht.
Die Damen haben da eine ganz andere Wahrnehmung. Sie sollen nämlich immer lächeln und sich schön vors Auto stellen…

 
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Von wegen Plagiat

Mittwoch, September 19th, 2007

Einfach abgucken, das geht nicht. Mit den Ideen anderer Geld machen, ist unfein. Da hat BMW eigentlich recht. Die Bayern hatten sich ja vor und während der IAA mächtig über chinesische Plagiate aufgeregt. Aber komischerweise hat sich kein BMW-Manager für den neuen Audi A4 interessiert. Muß man schon ganz genau hinschauen, um den noch von einem 5er BMW zu unterscheiden. Da bleiben eigentlich nur die Rücklichter als sicheres Unterscheidungsmerkmal. Schließlich brausen die ja recht fix an einem vorbei.
Nicht sehr viel anders ist das bei den Kleintransportern, die mittlerweile gern als Familienkutsche gefahren werden. Ob Peugeot Berlingo, Renault Kangoo oder VW Caddy - das wird wohl als gesunde (oder ungesunde, je nachdem) Konkurrenz akzeptiert. “Abschauen? Nein, wir doch nicht! Wir sind doch nur im gleichen Segment… ”
Kleiner Test: Ist das ein Opel Astra? Nö. Das ist natürlich ein Kia Ceed!. Also Sorry - das sieht man doch sofort! Der Astra sieht ja so aus.

Die Chinesen aber - die bauen Plagiate. Ich sag mal nix dazu…

 
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Alles schon verwelkt?

Dienstag, September 18th, 2007

Grün war die IAA. Umweltschonend die Autos. Klimafreundlich die Reden. Eine Woche lang haben alle hier am großen politischen Rad gedreht und die Weichen für die Zukunft gestellt. Eigentlich gab es kein anderes Thema auf der größten Autoschau der Welt. Und jetzt?!

Plötzlich haben wir für ganz andere Themen Zeit: was machen Hostessen gegen plattgestandene Füße? Wie sitzt es sich in Autos, die man sie niemals leisten kann? Müssen Türen von Billig-Autos so klingen?

Dabei stehen die “grünen” Autos noch hier, nur interessiert sich niemand mehr so recht für sie. Schnell und schön sollen sie sein - umweltschonend auch, das ist vielen aber nicht so wichtig auf der IAA.

Fast bekommt man den Eindruck, das Grüne auf der IAA ist schon wieder verwelkt, nach nur einer Woche. Vielleicht erholt sich das Pflänzchen ja wieder.

 
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Autos, SED und Lebenshilfe

Montag, September 17th, 2007

Merklich weniger los seit auf der IAA. Das erste Wochenende ist überstanden. Auch die Berichterstattung wird etwas schlanker. Endlich mal Zeit, sich etwas genauer umzuschauen, tatsächlich mal ein Spritfahrtraining mitzumachen, oder sich mal in einen Fiat 500 zu zwängen. Dachte ich. Ging dann doch nicht. Aber: Ich habe immerhin mal durchs Ausstellerverzeichnis geblättert. Da fiel mir Ulbrichts Witwe auf: Was hat die SED mit der IAA zu tun? In Halle 4 findet man den Stand von Ulbrichts Witwe. Das läßt sich dann aber schnell klären. Es geht nur um Schriftzüge und Embleme. Die Firma aus Österreich produziert sie für alle deutschen Hersteller. Also, ob VW-Zeichen, die Audikette oder der Opelblitz - das alles macht Ulbrichts Witwe. Fall gelöst.
Aber warum ist die Lebenshilfe Giessen auf der IAA? Psychologische Unterstützung für Eltern mit behinderten Kindern, Beratung für Betreutes Wohnen für Erwachsene… das ist das eigentliche Geschäft. Im Ausstellerverzeichnis heißt es Halle 9, Stand A04. Aber da gibts nur Nanotec-Putzlappen. Ich hab mich schon gewundert. Doch nur ein Versehen? Anruf bei der Lebenshilfe Giessen: Jaja, wir sind morgen auch da! Und ja stimmt, der Standort ist falsch angegeben. Ich werde morgen mal vorbeischauen.

 
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Ein Maybach ohne Brezel

Freitag, September 14th, 2007

Wie stellen Sie sich einen Maybach-Fahrer vor? Ich hatte noch nie einen getroffen, jemanden, der mal gerade eben 350.000 Euro für ein Auto ausgibt. Heute, mitten in der Menge stand er da, bei Ferrari: untersetzt, mit einem schlecht sitzenden Sakko und einem blauen Hemd drunter – entfernt an ein italienisches Fußball-Trikot erinnernd. Schweißperlen auf der Stirn. Er beschwerte sich: die bei Maybach hätten ihm nicht einmal eine Brezel gegeben, wo er doch eines dieser wunderbaren Autos gekauft hat. Und schon gerät er ins Schwärmen: ein Kühlschrank im Auto, Massagesitze und ein Handbuch, so dick, daß er noch gar nicht lesen konnte, was dieses Auto alles kann. Greift seine Tüte mit Prospekten und Aufklebern und verschwindet wieder in der Menge. Der hat also einen Maybach gekauft? Klar, wer, wenn nicht er!

 
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“Ach Angela, schüttel Dein Haar…”

Donnerstag, September 13th, 2007

Wenn die Kanzlerin über die IAA hetzt, dann ist der Moment der Fotografen und Kamerateams (und Hörfunkteams) gekommen. Dann wird um die besten Plätze gerungen, die einen freundlich, andere unverschämt. Da wird auch mal kräftig gestritten und Ellbogen ausgefahren. Das macht keinen Spaß. Und die IAA-Besucher am Rande lachen sich eins. Nein, den Job würden sie nicht machen wollen…

Kann ich verstehen. Ich auch nicht. Aber heute waren wir halt dran. Kollege Daniel Scondo und ich. Mutig warf der sich mit langer Teleskopstange - und einem daran befestigten Mikrofon - in die Menge. Immer auf der Suche nach einem schönen O-Ton von Angela Merkel. Ich am Rand hatte die leichtere Aufgabe, mehr oder weniger überraschte Besucher nach ihrem Eindruck zu fragen. Das macht immer dann ganz besonderen Spaß, wenn die Leute keine Lust dazu haben. Kann ich aber auch verstehen. Ich renne, wenn ich inkognito bin, auch an jedem Mikro vorbei.

Aber sehr interessant, mit welcher Begeisterung und Konzentration, und offenbar jahrelanger Erfahrung manche Fotografen ihr Arbeit machen: “Angela, komm und schüttel dein Haar”, wünscht sich da einer in der Menge. Gehört hat sie ihn aber nicht. Ein anderer knipst und knipst und sagt ständig Sachen wie “”heute isse gut drauf” oder “Ja genau, wie ich diese Armbewegung liebe”… mein Gott, woher kennen die die alle?

Über “Armbewegung” mag Kollege Daniel Scondo heute nicht mehr sprechen. Nur noch den Bericht sprechen, über den Kanzlerinnenrundgang. Für alles andere ist der heute nicht mehr zu gebrauchen.

 
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