Manuskript

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"Wenn jemand Inhalte eins zu eins kopiert, gleich welcher Art, wenn er sie auf eine neue Plattform stellt, dann ist das ganz einfach Reproduktion. … Eine Verdoppelung, Verdreifachung von Inhalt, dadurch ist nichts Neues, nichts Werthaltiges, nichts Eigenes entstanden und hat insofern nichts mit Multi- oder gar Crossmedia zu tun. So etwas ist, ganz banal gesagt, ein Vorgang für Techniker. Mit Journalismus hat das nichts zu tun." (Christian Jakubetz, Crossmedia, München 2009: S. 19)

Was hat ein Manuskript nicht, was die Online-Form bereichern könnte?

  • Links zu Quellen, Standpunkten, zusätzlichen Informationen
  • Mehr Informationen und Primärquellen als die Radiofassung
  • Primärtöne zum Nachhören
  • Bilder, u.U. sogar bewegte
  • Interaktive Angebote

Drüber nachdenken - und mit den Onlinern der Redaktion über ihre Erfahrungen reden. Bei manchen Redaktionen gibt's für eine Online-Aufarbeitung auch noch ein wenig Geld - leider nicht bei vielen; die Preise für Onlinejournalismus sind niedrig.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Crossmedialer Arbeitsablauf - Ein fiktives Beispiel

Reporterglück: eben telefoniert Lokalradio-Reporter R. mit der Feuerwehr, als dort die Nachricht von einem spektakulären Unfall eintrifft – ein Kranausleger ist in den Verkehr geschwenkt und hat das Dach eines vorbeifahrenden Autos abgerissen, den Fahrer und seine Begleiterin aber knapp verfehlt. Noch als unser Reporter aus der Redaktion stürmt, ruft ihm der Online-Redakteur nach: Bring mir bitte auch was mit, das ziehe ich nach vorn!

[Bearbeiten] "Online first" auch beim Radio?

Alles zuerst im Netz veröffentlichen - diese Strategie hat sich für Zeitungen als Erfolgsbringer erwiesen; das Radio muss natürlich zunächst an die Antenne. R.s Bericht ist schnell entstanden; R. kann nun sein Manuskript umarbeiten, um es dem Online-Redakteur mailen zu können (siehe Stichwort „Das Manuskript“) - damit ist die Arbeit fürs Netz aber noch nicht zu Ende.

[Bearbeiten] Schlagzeile und Teaser

Wie ein Zeitungsredakteur muss sich R. nun Gedanken machen über die Schlagzeile – die bestimmt, ob sein Bericht im Internet überhaupt wahr genommen wird. „Kran köpft Auto – Insassen kommen mit dem Schrecken davon“, schreibt R. Dann formuliert er einen Teaser: ähnlich dem Lead eines Zeitungsartikels reißt der das Thema an und hat möglichst noch einen "Cliffhanger", der zum Weiterklicken animiert. R. widersteht der Versuchung, einfach seine Anmoderation zu kopieren.

Diese beiden Text-Teile sind deswegen so wichtig, weil es vielleicht das Einzige ist, was viele Online-Nutzer zu sehen bekommen: alle die nämlich, die einen Feed-Reader nutzen. Nachrichtenseiten im Internet liefern einen „RSS-Feed“: ein Dienst vergleichbar einer Nachrichten-Agentur, den Leser abonnieren können, um sich über das Neue auf der Sender-Seite zu informieren.

[Bearbeiten] Ergänzende Angebote

R. hatte das Glück, die Beifahrerin des Unglücksautos vor sein Mikrofon zu bekommen – der Online-Redakteur bittet R. um die Originalaufnahme des Interviews und stellt es in voller Länge auf die Webseite. Außerdem hat ihm R. einen Tipp gegeben: „An einer Baustelle in der Nähe ist vor drei Jahren schon mal was passiert!“ Der Online-Redakteur findet mit diesem Hinweis einen Hintergrund-Bericht über Baustellen-Unfälle und kann diesen verlinken. Außerdem findet er einen Link zu einem Arbeitsschutz-Artikel der Berufsgenossenschaft zur Absicherung von Kranen und gibt diesen als externen Verweis zum Weiterlesen an.

[Bearbeiten] Aussagekräftige Metadaten

Das sind alle Informationen darüber, was in den Webinhalten eigentlich drin steckt. Wenn das Interview mit der Beifahrerin oder R.s Beitrag als Audio eingestellt werden sollen, müssen die entsprechenden Datenfelder ausgefüllt und aussage-kräftig sein – je nach Audio-Umgebung können das Informationen zu Autor bzw. Sprecher, Titel des Audios, Quelle sein – sonst spielt das Online-Redaktionssystem nur leere Felder aus. Tags – Stichworte – können die Auffindbarkeit des Beitrags erleichtern, Informationen zum Aufnahmeort ermöglichen ein „Geotagging“, eine geografische Verortung des Geschehens.dpa bietet seit 2009 zu seinen Berichten Geotagging-Informationen an.

[Bearbeiten] Bild schlägt Text - auch im Netz

Deswegen sollte man auch als Radiomacher über starke Bilder nachdenken, wenn Inhalte auch ins Netz sollen: Nichts ist peinlicher, als wenn unser Reporter seinen Exklusiv-Bericht online bebildert sieht mit dem Agenturfoto eines Krankenwagens (Stephan Niggemeiers regelmäßiger Spott über Symbolfotos sollte Warnung genug sein). Wenn der Reporter schon keine Kamera dabei hat: vielleicht hat einer der Um-stehenden ein Handyfoto gemacht? Im Zweifelsfall lieber ein authentisches Foto als ein gutes. Natürlich binden Online-Redakteure auch Videos ein – wenn sie verfügbar sind.

Dass wir uns um Bilder Gedanken machen müssen, bedeutet auch, dass wir die Regeln ken-nen müssen, unter denen Bildjournalisten arbeiten: im obigen Fall muss man die Persönlichkeitsrechte der Unfallopfer bedenken.

[Bearbeiten] Siehe auch

Persönliche Werkzeuge