Konvergenz

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Eine Fernsehredaktion macht Fernsehen, ein Radiosender Radio, eine Printredaktion Texte, und alle machen pünktlich Feierabend: im Internet-Zeitalter gilt das nicht mehr. Die einst klaren Grenzen zwischen den Medien weichen auf, Inhalte und Formen fließen im Netz zusammen.

Aus diesem Grund haben wir die Verweise im Buch mit Hintergrundinformationen in und aus dem Netz ergänzt - und diversen positiven und negativen Beispielen.

Inhaltsverzeichnis

Crossmedial denken, crossmedial arbeiten

Das heißt für die Journalisten auch beim Radio: Ihre Arbeit wird mehr und mehr crossmedial. Ein Inhalt im Radio wird online angereichert mit Hintergrund und Augenfutter, also ergänzt durch zusätzliche Online-Inhalte: zum Lieblingslied im Radio die Informationen, wer da singt und was, das Plattencover, das letzte Interview der Band als Audio, das Kurz-Video vom Studiokonzert, das Fan-Forum in der Community, die Web-Kamera im Studio und ggf. der Link zum Kartenshop und zum Gewinnspiel. (Vergleiche den Wikipedia-Eintrag zu Medienkonvergenz)

Das heißt nicht, dass jeder Journalist alles können muss: der Radioreporter, der nebenher noch einen Fernsehbeitrag dreht und den Online-Text schreibt, wird in der Regel in allen Medien scheitern. Aber es heißt: Redaktionen müssen sich Gedanken machen, wie sie eine Geschichte, einen Inhalt über die verschiedenen Medien spielen.

  • Der RBB hat sich zum Mai 2009 umorganisiert: die Fernseh-, Radio- und Online-Redaktionen sollen verschwinden - Statt dessen sollen die Redaktionen ihr Fachgebiet medienübergreifend bearbeiten. [1]
  • Der kleine SR ist einer der Vorreiter bei der Einrichtung eines crossmedialen Newsrooms, der Nachrichten für alle Medien liefert. [2]
  • Vorbild BBC: Der älteste öffentlich-rechtliche Sender hat sich konsequent so organisiert, dass Stories im Mittelpunkt stehen, nicht Medien oder gar Sendungen.

Das Internet bedroht das Kerngeschäft des Radios

Einige Fakten:

  • Informationsorientierte Nutzer schauen immer häufiger ins Netz[3]
  • Bei den 14- bis 19-Jährigen läuft schon heute der Computer länger als das Radio; auf das Radio würden sie eher verzichten als auf den Computer.[4] Die Generation der unter 30-Jährigen hält Auto und Lebenspartner für verzichtbarer als Handy und Computer. [5]
  • Bei ihnen hat das Internet das Fernsehen als Leitmedium abgelöst [6]
  • Und auch darauf, dass man das Netz im Gegensatz zum Radio nicht überall hin mitnehmen kann, sollten sich Radiomacher nicht ausruhen – je verbreiteter die mobile Internetnutzung wird, desto mehr wird mobiles IP-Radio zum Thema.

Wie tickt das Internet?

Die Grenzen des Mediums Radio verstehen – wer das tut, weiß im Umkehrschluss auch, wo der Web-Auftritt eines Radioprogramms in die Bresche springen muss:

  • Radio ist linear - im Internet erwarten Nutzer Zeit- und Inhaltesouveränität
  • Der Informationskanal Radio ist begrenzt - das Netz hat unbegrenzt Platz
  • Eben deshalb kann man im Netz eine Long-Tail-Philosophie verfolgen, während Radio an einer Zielgruppe orientiert sein muss: man definiert sich eine Kernzielgruppe und versucht die, möglichst gut auszuschöpfen - über den den Geschmack des Medianhörers
  • Radio setzt Themen durch redaktionelle Auswahl - im Internet wird erst veröffentlicht, dann ausgewählt; Redakteure verlieren ihre Monopolstellung als Gatekeeper an die Schwarmintelligenz ihrer Hörerschaft
  • Radio ist eine Einbahnstraße vom Sender zum Hörer – im Web zählt Interaktivität und Rückkanalfähigkeit
  • Radio versendet sich - das Netz liefert Nachlesbarkeit

Was muss man als crossmedial arbeitender Journalist können?

  • Schlagzeilen und Teaser formulieren können
  • Metadaten mitdenken: Inhaltsangabe, Verschlagwortung ("Tags"), Kategorisierung, Geolocation- schon um der Suchmaschinenoptimierung willen
  • Bilder und Videos aufnehmen, aussuchen und bearbeiten

Lesetipp: Sich mit Twitter, RSS-Feeds und elektronischen Recherchetechniken auskennen - vor allem aber bewusst unterscheiden zwischen hohem Output und hoher Qualität: das einflussreiche britische Blogger und Journalist John Tompson nennt zehn Eigenschaften, die Journalisten im Jahr 2009 seiner Meinung nach einfach brauchen. [7]

Lesetipps

  • Hooffacker, Gabriele: Online-Journalismus. München, 2. Aufl. 2001 [8]
  • Jakubetz, Christian: Crossmedia.Konstanz 2008. [9]


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