Jan Eggers

Das Interdings, soziale Medien, Journalismus und der ganze Rest.

12. Mai 2015
von Jan Eggers
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Kommt zum Punkt, verdammt!

Watches in classic car boot sale. CC-BY Garry Knight via flickr.com

Du hast 15 Sekunden, deine Nutzer da zu packen, wo sie gepackt werden wollen (oder wo es ihnen weh tut). Dann sind die meisten wieder weg. Also greif zu!

Tony Haile hat eine gute und eine schlechte Nachricht für uns Journalisten.

Haile, ehemaliger Polarforscher, Kurator seines eigenen virtuellen Buchklubs und Chef der Firma Chartbeat. Chartbeat analysiert mit modernen Werkzeugen in Echtzeit, wie Nutzer sich verhalten – und ist so unter anderem bei der Erkenntnis angekommen, dass man den Erfolg einer Seite nicht in Klicks messen sollte, sondern in der Zeit, die Nutzer dort verbringen.

Denn, das ist die gute Nachricht: Nutzer sind durchaus bereit, gute Inhalte zu honorieren und ihnen Zeit zu widmen – auch und gerade im Zeitalter von Buzzfeed. Die schlechte Nachricht: Wenn wir wollen, dass wir gelesen werden, müssen wir viel, viel besser werden.

Weiter im #hdalab15 Blog

Foto: CC BY Garry Knight (via flickr.com)

18. März 2015
von Jan Eggers
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Wahr oder falsch? Auf der Jagd nach #blockupy Fakes. 

Bei manchen angeblichen Frankfurt-Bildern von heute darf man schon skeptisch sein:

Klar: nicht alles, was heute rund um die Proteste in Frankfurt getwittert und gepostet wurde, war echt. Und auch mir ist heute bei der Mitarbeit an unserem Liveticker an einer Stelle ein nicht authentisches Bild durchgerutscht. Wir haben das bald bemerkt – aber jetzt mal zum Mitraten: welche der folgenden Bilder sind nicht, was sie zu sein vorgeben? Und wie bemerkt man ein Fake?

Level 1: Der Provo-Troll

Frankfurt, 18. März 2015, am frühen Nachmittag. Die Bilder der brennenden Polizeiautos dominieren die Twittersphäre; selbst die Aluhelmfraktion von “Russia Today” findet nicht wirklich etwas anderes. Und dann dieser Tweet: Ein Polizist schlägt zu. Verbunden mit den Reizwörtern “erfreulich”, “Lucky Punch” und dem Rechtsradikalen-Ausdruck “Zecken”.

Genau diese Überfülle an Auslösern macht misstrauisch: Die erste Quellencheck-Frage nach dem Content lässt auf diese Reizwörter aufmerksam werden. Also eine kurze Prüfung: woher kommt dieses Bild?

Für diese Frage gibt es die Bilder-Quellensuche TinEye, die man sich am besten als Browser-Plugin auf den Arbeitsplatzrechner installiert. Die Suche führt schnell zu früheren Vorkommnissen: Das Bild stammt nicht aus dem heutigen Frankfurt und nicht von einer Webcam, sondern wurde von einem dpa-Fotografen am Rand einer Neonazi-Demo 2012 in Hamburg aufgenommen.

Level 2: Der rührende Moment

Okay, da hat wohl jemand versucht, unsere roten Knöpfe zu drücken, aber was ist mit diesem symbolisch aufgeladenen Augenblick?

Auch bei diesem Bild zeigt sich schnell, dass die Story nicht stimmt: TinEye kann das Foto schon 2012 nachweisen – ein Bild der Nachrichtenagentur Reuters aus diesem Jahr. Immerhin tatsächlich bei Blockupy entstanden.

Den beiden Bildern ist gemein, dass sie eigentlich zu gut sind für zufällige (Handy-) Schnappschüsse. Übrigens fiel auch das eingangs erwähnte Fake in diese Kategorie; ein Nutzer hatte über das Kommentarfeld ein altes Agenturfoto hochgeladen. Zugegeben: Starke Bilder mit großer Symbolkraft müssen nicht aus den Archiven professioneller Bildhändler stammen, aber der Verdacht verdient eine Überprüfung.

Level 3: Die Frankfurt-Apokalypse

Frankfurt verschwindet im Qualm?!?

Die Frage nach Photoshop ist berechtigt. Bei diesen Bildern musste ich sofort an das berüchtigte Reuters-Fake von Rauchschwaden über Beirut denken – und wer an diesem Morgen in Frankfurt war, hatte zwar die Rauchschwaden gesehen, so apokalyptisch wie auf diesen Fotos wirkten sie aber eigentlich nicht.

Die TinEye-Suche fand keine älteren Kopien des Fotos – was dafür spricht, dass es aktuell sein könnte – bestätigte aber, dass es Bilder aus genau identischer Kameraperspektive an anderen Tagen gibt. Eine ergänzende Google-Bildersuche fand das erste Vorkommen des Bildes bei Twitter:

Quelle: eine FAZ-Journalistin. Die sich übrigens in den Antworten recht bald dem Vorwurf ausgesetzt sah, es handele sich um ein manipuliertes Foto – und mit einem Hinweis auf die Quelle antwortete: eine Webcam auf dem Main Plaza dribbdebach. Deren Fotos ließen sich zurückblättern…

Screenshot mainhattan-webcam.de am 18.3. 8.00h

Screenshot mainhattan-webcam.de vom 18.3. um 8.00 Uhr. Die Kamera ist ein Dienst der Hi.Res.Cam GmbH in Weinheim, bei der man über den Fälschungs-Verdacht sehr belustigt ist.

 

…und das Ausgangsbild war tatsächlich unter 8 Uhr im Archiv abgelegt. Selbst die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um eine Manipulation des Bildes auf dem Server handelt, kann man mindern:

www.henninger-turm-webcam.de der Hi.Res.Cam GmbH, 18.3., 8 Uhr

Die gleiche Szene von einer Webcam etwa einen Kilometer südlich zur gleichen Zeit. Wie man sieht, entsteht die Dramatik des Bildes dadurch, dass die Rauchschwaden genau über den Hotelturm mit der Webcam hinweg ziehen.

Das Urteil: Erstaunlicherweise echt.

16. März 2015
von Jan Eggers
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Spielen wir mal Fernsehen: Live mit Meerkat

Meerkat-Anmeldebildschirm: "Tweet Live Video".

Kurz ein paar Erkenntnisse aus einem kleinen Experiment mit der Livestreaming-App für den sendungsbewussten Twitterer. Seit einem Update letzte Woche läuft die App auch auf meinem iPad rund. Dann ein Anlass: Auf dem LPR-Forum Medienzukunft hatte ich nach dem Vortrag des “Krautreporter”-Chefredakteurs Alexander von Streit noch reichlich Fragen – und dachte mir: die kann ich ihm gleich auch vor einem kleinen Publikum stellen. (Dazu demnächst mehr.) Also in der Pause zu ihm hin, den Rahmen besprochen – und angefangen.

Das Schöne an Meerkat: Man muss sich über nichts Gedanken machen; einfach eine Schlagzeile für den Livestream eintippen – die die App dann gleich twittert – und los.

Ein paar Dinge musste ich dann doch lernen:

  • Unbedingt hochkant filmen. Ja, wir Medientypen haben eine tief sitzende Abneigung gegen das “Vertical-Video-Syndrom“. Im Mobile-First-Zeitalter sollten wir sie zumindest infrage stellen – und mit Meerkat ist sie ganz schön gefährlich: Wenn man wie gewohnt querformatig filmt, sieht das zwar – zumindest auf dem iPad – ganz passabel aus. image
    Die Nutzer sehen aber nur eine auf Hochkantformat beschnittene Version: image
    Und das ist in einem Gespräch ziemlich ärgerlich: wenn man sich nach dem Querformat-Bild richtet, filmt man konsequent zwischen den beiden Gesprächspartnern durch.
  • Kenne Dein Publikum. Wie viele seiner Follower erreicht man mit einem spontanen Aufruf, doch mal einem Live-Gespräch zuzuschauen? Bei mir war es – immerhin – eine Handvoll, darunter ein, zwei Teilnehmer der Konferenz, auf der ich gerade war. Das wird auch nicht grundsätzlich anders sein, wenn man eine weitere Meerkat-Funktion nutzt und den Stream vorher plant und ankündigt – abgesehen von einigen wenigen Fällen, in denen ein Reporter mitten in einem Nachrichten-Ereignis steht und sendet, hat ein Meerkat-Stream mehr mit einem Hangout unter Experten gemein als mit einer Social-TV-Live-Sendung.
  • Trotzdem: öffentlich. Ein Meerkat-Stream ist also in der Regel kein Massenmedium, es fühlt sich trotzdem so an. Mein Gesprächspartner und ich sind automatisch in die Frage- und Antworthaltung zweier Menschen verfallen, die auf einem öffentlichen Podium sitzen.
  • Auf @replies bei Twitter achten. Charmant ist, dass Kommentare zum Stream bei Twitter direkt von der App eingeblendet werden – aber nur, wenn der Absender direkt auf den “|LIVE NOW|”-Tweet antwortet, nicht wenn er mir einfach so eine @reply schickt. Schade, wenn ein interessantes Feedback auf den Stream durchrutscht, weil der Nutzer formlos zurückgetwittert hat und ich die Twitter-Benachrichtigungen ausgeschaltet habe.
  • Aufzeichnung mitdenken. Sehr praktisch ist, dass Meerkat nach Beendigung des Streams anbietet, einen Mitschnitt lokal aufzuheben – im Netz sollen nach Aussage der Meerkat-Macher allenfalls Sekunden des Streams aufzufinden sein, auf dem iPad kann ich sie aufheben. Was ein schönes Transparenz-Szenario für Mobil-Reporter ermöglicht: Das Gespräch mit einem O-Ton-Geber live streamen, den Mitschnitt für O-Töne auswerten. Das hülfe dem Gegenüber auch, zu verstehen, dass es nicht nur mit mir spricht, sondern mit einem Publikum.

Was Meerkat definitiv fehlt, ist eine Android-Variante der App – und offensichtlich auch die Liebe von Twitter: nachdem Twitter ein Startup übernommen hat, das eine Meerkat-ähnliche Technik bastelt, drehte der Konzern Meerkat den Zugang zu einem Teil der API ab – auf die “Soundso-ist-jetzt-bei-Meerkat”- und “Dein-Twitter-Freund-soundso-sendet-gerade”-Benachrichtigungen muss man also in Zukunft verzichten.

Trotzdem meine ich, dass Meerkat einen Blick lohnt oder auch zwei – ganz besonders für die Einsatz-Szenarien “Live-Reporter mittendrin”, “Experten fragen, Experte antwortet” und Mobile Reporting.

8. Dezember 2014
von Jan Eggers
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Besuch bei einer Onlineredaktion mit angeschlossener Zeitung

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Vor einigen Tagen hatte ich die Gelegenheit, den Newsroom von Springers Welt in Berlin zu besuchen. Der Newsroom ist als Antwort auf ein Problem entstanden, das alle alten Medienhäuser haben: Wie bringen wir traditionelle und digitale Produkte zusammen? Wie sorgen wir dafür, dass etwas aus einem Guss entsteht und wir redaktionelle Synergien nutzen können. Die Welt arbeitet schon sehr lange, nämlich seit 2004, an der Lösung dieses Problems – und ist zu einer überraschend radikalen Lösung gekommen.

Besuch im Welt-Newsroom – eine Mini-Webreportage.

21. Oktober 2014
von Jan Eggers
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Seminartumblern mit Stil!

Seminarprotokolle schreiben ist ein notwendiges Übel, aber ein Übel ist es allemal. Irgendwie ist es mir bisher nicht gelungen, eine Textverarbeitung zu finden, mit der ich mühelos und in brauchbarer Größe Foto- und Textprotokoll vereinen kann; das Einfügen der Fotos mit Word, Docs, Pages, LibreOffice etc. ist eine unglaubliche Fummelei. Abgesehen davon, dass man das Seminarprotokoll eigentlich führen müsste, während man das Seminar hält – mit Word und Co. so gut wie unmöglich.

Die gute Nachricht: Tumblern geht. Richtig gut sogar.

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Ein Tumblelog – also ein Blog beim Einfachst-Blogdienst Tumblr – ist eine schöne Methode, um ein Seminar praktisch live mitzubloggen; ganz besonders, wenn man einen hohen Anteil an Fotos im Protokoll erwartet: Ein solcher Seminartumblr ist in wenigen Minuten eingerichtet, und mit den entsprechenden Apps kann man Seminarfotos bequem schießen und hochladen. Bereits gepostete Fotos, Links und Texte lassen sich parallel am PC oder Tablet nachbearbeiten – und als Bonusnutzen können die Teilnehmer immer wieder nachschauen, wie das Seminarprotokoll wächst.

Nachteil ist, dass ein Tumblr genau andersherum sortiert ist als ein Protokoll – das Neueste steht zuerst, nicht zuletzt. Diesen Nachteil kann man aber mit einem Trick umgehen. Weshalb jetzt folgt:

Die Schritt-für-Schritt-Anleitung für ein Seminartumblr

  • Ein tumblr anlegen. Wer die Vertraulichkeit des Seminars wahren möchte, sollte es von den Suchmaschinen ausschließen und u.u. sogar ein Passwort setzen.
  • Das Tumblr-Dashboard anklicken, das neu angelegte Blog auswählen und “Anpassen” klicken. Das Template Optica suchen und auswählen – das hat zwei Vorteile: Erstens eine brauchbare Grid-Ansicht, mit der sich schöne Überblicks-Seiten zum Ausdrucken herstellen lassen, und zweitens die “Endless Scrolling”-Option, die wir jetzt einschalten. Das macht’s später leichter, das Blog herunterzuladen.
  • Titelbild und Profil nach Wunsch anpassen.

Jetzt kann’s losgehen – wir können posten; von der App via Smartphone oder Tablet oder vom Computer. Wichtig ist nur eins: Alle Posts müssen zusätzlich ein und dasselbe vorher festgelegte Tag bekommen. Sonst kann man nachher die Reihenfolge nicht umdrehen. Am einfachsten nimmt man einen Buchstaben – “x” wäre schön. Oder den Namen des Projekts: “#buzzy” zum Beispiel.

Wenn das Seminar gelaufen ist und alle Posts abgesetzt und ggf. nachbearbeitet, wird es Zeit, die Reihenfolge umzudrehen und ein PDF zu erstellen:

  • Das Seminarblog aufrufen. (Die Dashboard-Ansicht tut’s nicht – die URL muss also wirklich meintumblr.tumblr.com lauten und nicht www.tumblr.com/meintumblr. [Beispiel]
  • Auf das festgelegte Tag klicken (in unserem Beispiel: #buzzy). Wenn wir brav alle Posts mit dem Tag “buzzy” markiert haben, sind sie weiter alle zu sehen. [Beispiel]
  • Das wirklich Magische kommt jetzt: In die Adress-Zeile des Browsers klicken und hinter die URL noch /chrono eingeben. Jetzt werden die Posts in chronologischer Reihenfolge angezeigt [Beispiel] – ein Trick, den ich hier gefunden habe.

Diesen Link kann man seinen Seminarteilnehmern als Protokoll-Ersatz mailen – und als Sonder-Service noch ein Überblicks-PDF dazutun:

  • Oben rechts auf “Template bearbeiten” klicken.
  • Zu den Template-Optionen scrollen und bei Layout “Grid” auswählen.
  • In ein PDF drucken. (Mit dem Chrome-Browser ist das ohnehin die Voreinstellung beim Drucken. Mit anderen Browsern hilft beispielsweise der PDF Creator.)
  • Das Template wieder zurück auf das Layout “Regular” oder “Narrow” zurückstellen.

PDFs lassen sich in der Word-Konkurrenz LibreOffice nachbearbeiten, wenn’s denn sein muss; besser fährt man aber, wenn man den Seminartumblr selber etwas nachbearbeitet: So oder so: Der Aufwand fürs Protokoll ist gewaltig geschrumpft – und es entsteht dann, wenn das Seminar läuft, nicht aus der Erinnerung hinterher.